Zweifelhafte Verbrauchsermittlung

Dieses Thema im Forum "E.ON" wurde erstellt von Clichard, 19. Mai 2017.

  1. Clichard

    Clichard Starter

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    Hallo liebes Forum,
    trotz mehrfachen Rückfragen habe ich heute erstmals in 3 Jahren eine Ablesekarte erhalten, d.h. seit meinem Einzug in 2014 auch noch keine Rechnung.
    Da ich nun meinen Zählerstand online auf der Seite von E.ON angab, stieß ich zufällig auf eine sogenannte "Verbrauchshistorie" welche folgende Daten aufweist:
    31.05.2015 Turnusablesung (maschinelle Schätzung)
    31.05.2016 Turnusablesung (maschinelle Schätzung)
    16.08.2016 Zwischenablesung ohne Abrechnung
    19.05.2017 Ablesung durch Kunden
    Es wurden bis dato lediglich Abschlagszahlungen über € 20,- vorgenommen. Muss ich diese maschinellen Schätzungen akzeptieren, bzw. muss ich nun mit einer Verbrauchsrechnung von 2014 bis heute rechnen?
     
  2. REWE47

    REWE47 Top-User

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    Hallo Clichard,
    ein relativ einfacher Sachverhalt, aber u.U. ein komplexes Thema - ich versuch's mal ;) :

    Die jährliche (Turnus)Ablesung des Zählers ist allein Sache des Netzbetreibers/NB und NICHT des (Grund)Versorgers E.ON Energie Deutschland GmbH !

    Vorab würde ich daher mit dem NB Ihres Wohnorts/Ihrer Region folgende Punkte klären:
    1. WARUM wurde in 2015 und 2016 nicht abgelesen bzw. keine Ablesekarte zugestellt und warum erfolgte stattdessen nur eine maschinelle Schätzung (nach SLP/Standardlastprofil) ?
    2. WELCHE maschinell errechneten Zählerstände wurden WANN an den Versorger E.ON übermittelt ?

    Aus dem Ergebnis dieser Anfrage ergeben sich u.U. Antworten zu Ihren Fragen:
    Zu 1.) Eine "maschinelle Schätzung" ist zulässig (und zu akzeptieren, falls die Verbrauchsmenge plausibel ist), wenn eine Zählerablesung zu dem vom NB vorgesehen Zeitpunkt vor Ort (warum auch immer) nicht möglich war und/oder Sie einer Aufforderung (z.B. mit einer Ablesekarte) zur Mitteilung des selbst abgelesenen Zählerstandes nicht fristgemäß nachgekommen sind.
    Zu 2.) Wenn der NB dem Versorger E.ON die errechneten Zählerstände per 31.05.15 und per 31.05.16 jeweils zeitnah übermittelt hatte (wovon m.E. auszugehen ist), stellt sich die Frage, warum E.ON seinerzeit nicht abgerechnet hat.
    Wenn der NB (wider Erwarten) nichts mitgeteilt hat, dann ist E.ON zu fragen, warum die den Zähler nicht selbst abgelesen oder Sie dazu aufgefordert haben.
    Rechtlich relevant sind diesbzgl. insbesondere die §§ 9, 11 und 12 Strom-Grundversorgungsverordnung - siehe www.gesetze-im-internet.de/stromgvv !

    Falls E.ON jetzt für 2014 bis (19.)05.2017 abrechnet und a) die Schätzung grundsätzlich zulässig war/ist, b) die abgerechneten Verbräuche realistisch sind (nicht im Widerspruch zum Anfangs- u. Endzählerstand stehen) und c) eine erhebliche Nachforderung geltend macht, würde ich prüfen (lassen), ob der Anspruch evtl. (zumindest teilweise) verwirkt sein könnte (ich meine vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass es ein dahingehendes Urteil eines Landgerichts gibt), denn bzgl. Abrechnung einer Energiebelieferung bestimmt § 40 Energiewirtschaftsgesetz in Abs. 3 u. 4 - Zitat (Auszug):
    "(3) Lieferanten sind verpflichtet, den Energieverbrauch nach ihrer Wahl monatlich oder in anderen Zeitabschnitten, die jedoch zwölf Monate nicht wesentlich überschreiten dürfen, abzurechnen. ..."
    "(4) Lieferanten müssen sicherstellen, dass der Letztverbraucher die Abrechnung nach Abs. 3 spätestens sechs Wochen nach Beendigung des abzurechnenden Zeitraums ... erhält."

    - siehe auch www.gesetze-im-internet.de/enwg_2005 !

    Sollte mit E.ON keine akzeptable Lösung möglich sein, kann vllt. die Verbraucherzentrale und/oder die www.schlichtungsstelle-energie.de (siehe auch §§ 111a und b EnWG) helfen.

    Zur Klärung des Sachverhalts wäre womöglich hilfreich, wenn Sie nachweisen können, WANN Sie WIE bei WEM wg. WAS "rückgefragt" haben und wenn Ihnen der Zählerstand bei Einzug bekannt ist (selbst mit abgelesen und z.B. in einem Wohnungsübergabeprotokoll festgehalten?).

    Wünsche gutes Gelingen !
     
  3. Clichard

    Clichard Starter

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    Vielen, herzlichen Dank für diese ausführlichen Informationen.
     
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