Biogas: Was steckt dahinter?

Immer mehr Gasanbieter haben mittlerweile sogenannte Biogas-Tarife im Angebot. Was aber steckt hinter diesem Biogas bzw. Ökogas und welchen ökologischen Nutzen haben solche Gastarife?

Neben dem Wechsel des Stromanbieters ist seit Oktober 2006 auch der Gasanbieterwechsel möglich. Stetig steigende Gaspreise sorgen dafür, dass auch in diesem Markt das Interesse sehr groß ist: Je nach Verbrauch lassen sich jährlich bis zu 750 Euro einsparen, deswegen ist ein Gasvergleich immer sinnvoll.

Attraktiv sind die Tarife der Gasversorger unter zwei Gesichtspunkten. Sie sind zum einen preislich interessant und unterstützen zum anderen den bei den Verbrauchern immer stärker ausgeprägten Umweltschutzgedanken. So hat eine steigende Zahl der Gasanbieter Ökogas- oder Biogas-Tarife im Programm, die insbesondere umweltbewusste Verbraucher ansprechen sollen. Preislich lohnt sich der Wechsel vor allem für diejenigen, die ihr Gas bei einem Grundversorger beziehen. Mit einem günstigen Biogas-Tarif können im Vergleich zur Grundversorgung auch oftmals mehrere hundert Euro eingespart werden. Was aber steckt hinter der Bezeichnung "Biogas" und welche ökologischen Vorteile bieten die jeweiligen Produkte tatsächlich?

Kein "echtes" Biogas: CO2-Emissionen ausgleichen

BiogasBiogasanlage: Hier wird Biogas aus Energiepflanzen hergestellt

Es gibt nämlich einige Unterschiede. So haben manche Gasanbieter solche Ökogas-Tarife im Portfolio, die eine CO2-neutrale Lieferung von Erdgas garantieren soll. Dabei wird der Kunde mit herkömmlichen Gas beliefert und bekommt kein ökologisch hergestelltes Biogas. Das CO2, welches durch die Verbrennung des Erdgases entsteht, wird bei den Ökogas-Tarifen jedoch mit anderen Projekten ausgeglichen.

Einige Gasanbieter kaufen für den CO2-Ausgleich Emissionszertifikate ein. Andere Anbieter unterstützen mit dem Mehrpreis Klimaprojekte in anderen Ländern. So soll der etwas höhere Preis bei einem Ökogas-Tarif schließlich dazu dienen, die Energieerzeugung aus regenerativen Quellen in Entwicklungs- und Schwellenländern anzuschieben bzw. zu unterstützen. Solche Angebote gibt es etwa von den Gasversorgern Mainova und Entega. Der Gasanbieter Entega unterstützt mit dem Mehrpreis Aufforstungsprojekte, um die CO2-Emissionen durch den Gasverbrauch wieder auszugleichen.

Gaspreise vergleichen

Biogas gewinnt man aus Abfall, Dünger oder Energiepflanzen

Weiterhin gibt es hierzulande Versorger, die solcherart Gastarife anbieten, bei denen so genanntes Biogas das herkömmliche Erdgas ersetzt - entweder ganz oder zumindest in Teilen. Gewonnen wird dieses Biogas aus der Vergärung von Pflanzen, oder auch aus Biomüll oder Dünger aus regenerativer Herkunft. Der Knackpunkt beim Biogas ist jedoch das Methan, denn ebenso wie klassisches Erdgas hat auch Biogas einen recht hohen Anteil dieses Gases. Das Methan kann quasi direkt verheizt werden, aber auch zur Stromerzeugung dienen. Das stößt auf Kritik: Denn der biologische Gedanke wird dann nicht unbedingt durchgängig eingehalten, wenn beispielsweise Gülle aus der Massentierhaltung für die Biogas-Erzeugung eingesetzt wird.

Gastarife mit Biogas-Anteil oder 100% Biogas

Gastarife mit einem bestimmten Biogas-Anteil, die als Biogas-Tarife durchgehen, hat etwa Lichtblick im Programm, der größte Anbieter von Ökostrom hierzulande. Der Tarif LichtBlick-Gas soll dem Anbieter zufolge im Durchschnitt mindestens fünf Prozent des Gases aus Biogasanlagen beinhalten. Zu nennen wäre beispielsweise auch der Gasanbieter SCHARR WÄRME GmbH & Co. KG, der einen Tarif mit einem höheren Biogas-Anteil von zehn und sogar 30 Prozent offeriert. Unser Gaspreisvergleich zeigt bei den unterschiedlichen Anbietern an, ob es sich um einen Klimatarif handelt, mit dem Klimaschutzprojekte unterstützt werden oder wenn es sich um einen Biogas-Tarif handelt auch, wie groß der Anteil an tatsächlichem Biogas ist. Bisher sind am Markt deutlich mehr Klimagastarife vertreten als solche mit Biogas-Anteil.

Mittlerweile gibt es auch erste Gastarife mit 100 Prozent Biogas. So bietet Erdgas Schwaben neben einem Gastarif mit 20 Prozent Bio-Abteil auch einen vollständigen Biogas-Tarif an. Auch der Versorger naturstrom bietet einen Gastarif mit 100 Prozent Biogas an, und das sogar bundesweit. Wahlweise kann der Kunde auch 10 oder 20 Prozent-Biogas-Anteil wählen. Dabei garantiert naturstrom, dass das Biogas weder aus Massentierhaltung stammt und auch keine Gen-Pflanzen zur Erzeugung von Ökogas verwendet werden, womit der Kunde wirklich ein ökologisch erzeugtes Biogasprodukt beziehen kann.

Video: So funktioniert eine Biogas-Anlage

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Biogas-Produktion in Deutschland

2009 lag Deutschland mit Abstand an der europäischen Spitze, was die Produktion von Biogas pro Einwohner betrifft. Und zu diesem Zeitpunkt begann erst der rasante Zuwachs von Biogasanlagen innerhalb Deutschlands. Waren es 2009 etwas über 5.000 Anlagen, waren es 2017 schon über 9.000 Produktionsstellen. Die Nutzung von Biogas ist in mancher Hinsicht ökologisch und ökonomisch sinnvoll, sie kann jedoch auch mit dem Naturschutz in Konflikt geraten.

Biogas: Nachteile gehen zu Lasten der Umwelt

Das liegt nicht nur an dem Methan, das auch im Biogas enthalten ist. Die landwirtschaftlichen Anbauflächen, die vermehrt zur Produktion von Energiepflanzen genutzt werden, fallen für die Nahrungsmittelproduktion weg. So kommt es zu einer Nutzungskonkurrenz: Nahrungsmittel oder Energie? Monokulturen können auch eine negative Folge des Biogas-Booms sein. In 90 Prozent der Biogasanlagen Deutschlands wird Mais als Hauptsubstrat verwendet. Das führte von 2009 bis 2014 zu einem Anstieg der Maisanbaufläche um rund 80 Prozent. So zeigt sich keine abwechslungsreiche Ackergesellschaft von verschiedenen Getreiden, Wurzelfrüchten und anderen mehr, sondern es dominiert der Mais. Wird Mais außerdem mehrere Jahren in Folge auf den gleichen Flächen angebaut, verarmt der Boden an Nährstoffen. Das geht ebenfalls auf Kosten der Artenvielfalt.

Ein weiterer Kritikpunkt der Biogas-Gegner ist die Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Diese führt dazu, dass Landwirte Energiepflanzen zur Erzeugung von Biogas anbauen, denn dies wird vom Staat gefördert. Bekommt der Bauer dafür mehr Geld, als er für den Anbau von Futtermitteln bekommen würde, werden dadurch ebenfalls Monokulturen gefördert. Mit der Reform des EEG 2017 wurde die Förderung umgestellt. Seitdem wird die Förderung per Ausschreibung vergeben und für den Anbau von Mais wurde eine strengere Begrenzung gesetzt.

Die intensivere Landbewirtschaftung hat ebenfalls ungünstige Auswirkungen auf Boden, Grundwasser und Artenvielfalt. Auch kann bei falscher Lagerung der Gärreste Methan entweichen, das einen starken klimaschädigenden Effekt hat. Andererseits kann die Vergärung von Gülle zur Erzeugung von Biogas wieder Methan-Emissionen reduzieren.

Biogas hat Nachteile – was ist mit den Vorteilen?

Die Nutzung von Biogas hat Biogas hat Nachteile, aber natürlich auch einige Vorteile: Nicht nur, dass zur Herstellung nicht auf endliche, fossile Energieträger zurückgegriffen werden muss, es werden auch biologische Abfälle nutzbringend verwertet. Dabei ist es ökologisch gesehen vertretbarer, Reste und nicht anderweitig verwertbare Pflanzenteile zu verwenden, als gezielt auf großen Flächen Energiepflanzen wie Mais und Raps anzubauen. Biogas kann je nach Bedarf erzeugt werden und ist nicht wie andere regenerative Energien von Witterungsbedingungen abhängig.

Auch wird bei der Biogasnutzung kein CO2 freigesetzt, das über Jahrmillionen gebunden war und so unsere Atmosphäre zusätzlich mit CO2 anreichern würde. Bei der Verbrennung von Biogas wird lediglich CO2 frei, welches noch vor wenigen Monaten in der Luft war. Der CO2-Kreislauf ist damit kürzer und berechenbarer.

Wie man den Biogas-Nachteilen entgegenwirken kann

Das Umweltministerium selbst gibt zu, dass Biogas nicht grundsätzlich in jeder Hinsicht ökologisch vorteilhaft ist. In einer Untersuchung wurde analysiert, wie Biogas möglichst nachhaltig genutzt werden kann. Die Nachteile von Biogas ergeben sich vor allem bei ungünstigen Konzepten und Anbausystemen. Es ist darauf zu achten, dass aus den Lagern möglichst wenig Methan entweichen kann. Auch die Entsorgung muss sorgfältig gehandhabt werden.

Ganz besonders wichtig ist auch eine schonende und nachhaltige Anbauweise. Das Umweltministerium schlägt hier die Beibehaltung vielgliedriger Fruchtfolgen und eine an den jeweiligen Standort angepasste Förderung vor. Methoden und Biomasse-Arten, die ökologisch vorteilhafter sind, sollten bevorzugt werden. Zudem sollten Biogasanlagen und Lager wie Silos dem bestmöglichen Stand der Technik entsprechen, Kraft-Wärme-Kopplung sollte zu einer Erhöhung der Energieeffizienz eingesetzt werden und die erzeugte Energie möglichst nah am Produktionsort genutzt werden. Dann kann Biogas trotz einiger Nachteile durchaus ökologisch sinnvoll genutzt werden.