Konkurrenzfähiges Großunternehmen

Zusammenschluss: Neuer Energiekonzern im Ruhrgebiet geplant (Upd.)

Im Ruhrgebiet entsteht offenbar ein neuer Energiekonzern. Die Versorger Gelsenwasser aus Gelsenkirchen, die Stadtwerke Bochum und die Dortmunder Energie- und Wasserversorgung (DEW21) wollen sich einem Zeitungsbericht zufolge zusammenschließen. 2009 soll das Unternehmen an den Start gehen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp.djn/sm) - Auch ein Börsengang sei geplant. Sprecher der drei Versorger wollten den Bericht am Montag auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. An die großen vier der Branche, E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall würde der neue Unternehmen allerdings bei weitem nicht heranreichen.

Wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Montagausgabe) unter Berufung auf ein ihr vorliegendes internes Strategiepapier berichtete, sei geplant, durch den Zusammenschluss von Gelsenwasser, den Stadtwerken Bochum und der DEW21 ein national und international konkurrenzfähiges Großunternehmen zu schmieden. Gelsenwasser solle die Funktion einer Holding übernehmen und darunter neue Gesellschaften für Energie (Strom, Erdgas), Wasser und Abwasser sowie eine Netzgesellschaft bündeln.

Bis zum Sommer sollen die Planungen dem Bericht zufolge abgeschlossen sein. 2009 solle der Konzern an den Start gehen. In der neuen Gesellschaft könnten auch andere regionale Versorger aufgehen. Dabei denken die Verantwortlichen dem Bericht zufolge vor allem an Stadtwerke. Genannt werden die Stadtwerke Wuppertal, Herne und Witten.

Die Sprecher der drei Versorger Gelsenwasser, DEW21 und den Stadtwerken Bochum räumten am Montag zumindest ein, dass heute in Dortmund in einem "Lenkungsausschuss" über das weitere Vorgehen beraten werde. "Wir befinden uns in einem Prozess, bei dem es vor allem die Sicherung der Arbeitnehmerinteressen geht", sagte der Gelsenwasser-Sprecher. Bereits im Oktober hatten die drei Unternehmen angekündigt, Formen der Zusammenarbeit auszuloten. Die drei Städte Dortmund, Gelsenkirchen und Bochum sind allesamt SPD-regiert.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU), Innenminister Ingo Wolf (FDP) und Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) seien über die Pläne informiert, berichtete die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" am gestern Nachmittag vorab aus ihrer Dienstagausgabe. Im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium in Düsseldorf gab man sich am Montag allerdings bedeckt. "Wir haben davon gehört", hieß es zwar von einem Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Weitere Bewertungen lehnte er allerdings ab.

Wie die Zeitung weiter schreibt, soll der neue Versorger auf nationaler Ebene den Wettbewerb mit den führenden Energieriesen aufnehmen. Im Vergleich zu denen erscheint das neue Unternehmen allerdings verschwindend klein. Die DEW21, an der der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE zu 47 Prozent beteiligt ist, erzielte 2006 einen Umsatz von 692 Millionen Euro, Gelsenwasser von 471 Millionen Euro und die Stadtwerke Bochum von 443 Millionen Euro. Zusammen ergäbe kämen sie auf Erlöse von rund 1,6 Milliarden Euro. Der größte deutsche Energiekonzern E.ON erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 68 Milliarden Euro, der Branchenzweite RWE kam auf 44 Milliarden Euro, EnBW auf 13 Milliarden und Vattenfall Europe auf 11 Milliarden Euro.