Treffen geht heute zu Ende

Zum Abschluss der renewables: Zahlreiche Vereinbarungen und viele gute Vorsätze

Heute Nachmittag ist die Internationale Konferenz für Erneuerbare Energien "renewables 2004" mit der Verabschiedung eines gemeinsamen Aktionsplans in Bonn zu Ende gegangen. Politik, Verbände und Institutionen hatten das Treffen zum Anlass genommen, ihre Standpunkte zur Energieversorgung der Zukunft zu verdeutlichen.

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Politik, Verbände, Umweltschutz- und Jugendorganisationen - sie alle nutzen die Internationale Konferenz für erneuerbare Energien - renewables 2004 - die auf Einladung von Bundeskanzler Schröder in dieser Woche in Bonn stattfand, um ihre Standpunkte, Ideen und Initiativen zum Ausbau der erneuerbaren Energien einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren.

Internationaler Aktionsplan verabschiedet

Mit diversenen Vereinbarungen im Gepäck traten Umweltminister Jürgen Trittin und Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul heute die Heimreise nach Berlin an. "Die Konferenz war ein voller Erfolg", erkläerten beide am Freitagmittag. Überschattet wurde der Treff von 3000 Delegierten aus aller Welt von der durch den derzeitigen hohen Ölpreis in Deutschland neuentflammten Debatte über den Ausstieg aus dem Kernkraftausstieg und die Abschaffung der Ökosteuer. Kernpunkt ist ein Internationaler Aktionsplan. "Wir haben international neue Ziele für den Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt. Der Aktionsplan wird Investitionen in Milliardenhöhe mobilisieren, die in die Energiegewinnung aus Wind, Sonne, Biomasse und Erdwärme gehen", zeigte sich Trittin begeistert.

Deutschland testet französisches Emissionsregister

Bereits heute Vormittag hatte Umweltminister Trittin mit seinem französischen Amtskollegen Serge Lepeltier eine stärkere Zusammenarbeit bei der Einführung des europäischen Treibhausgas-Emissionshandels vereinbart. Dazu soll das von der Caisse des depots et consignations (CDC) für Frankreich entwickelte Register für Emissionsberechtigungen in der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (UBA) getestet werden. Beide Minister befürworteten die baldige Schaffung einer Handelsplattform für Emissionsberechtigungen durch die Privatwirtschaft.

Mittelmeerländer treten "Globaler Marktinitiative" bei

Gleichzeitig konnte Trittin das internationale Netz für den weltweiten Ausbau der erneuerbaren Energien enger knüpfen. Der vom Bundesumweltministerium ins Leben gerufenen "Globalen Marktinitiative" haben sich wichtige Staaten des Mittelmeerraums angeschlossen, darunter Spanien, Italien, Israel und die arabischen Staaten Jordanien, Algerien, Marokko und Ägypten.

Weniger euphorisch über die Ergebnisse der Konferenz zeigte sich hingegen die Umweltschutzorganisation WWF. Zwar sei das Treffen ein "energiepolitischer Lichtblick" gewesen und auch die verabschiedete politische Deklaration sei ein klares Bekenntnis für eine Energiewende, jedoch hatte sich der WWF konkretere Zusagen erhofft. "Aber die politische Vision ist deutlich und das Mandat für einen Nachfolgeprozess wurde erteilt. Von Bonn werden kraftvolle Impulse für eine nachhaltige Energieversorgung und damit für den Klimaschutz ausgehen. Deshalb wertet der WWF die Konferenz trotz einiger Schönheitsfehler als Erfolg", so Regine Günther, Leiterin des Energiereferats beim WWF Deutschland.

Heinrich-Boll-Stiftung sieht Durchbruch

"Die Konferenz markiert einen Durchbruch in der weltweiten Wahrnehmung der Bedeutung erneuerbarer Energien für Armutsbekämpfung und Klimaschutz. Der steile Anstieg der Ölpreise hat das Bewusstsein für den notwendigen Umbau des Energiesystems geschärft", erklärte denn auch Barbara Unmüßig, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, heute zum Abschluss der Konferenz in Bonn. Der auf der Konferenz beschlossene Internationale Aktionsplan enthalte einige bemerkenswerte Beiträge, so z.B. das chinesische Gesetz zu Erneuerbaren Energien nach deutschem Vorbild sowie die Zielsetzung der Philippinen, die Kapazität für erneuerbaren Energien bis 2013 zu verdoppeln, urteilte sie. "Die EU muss allerdings noch ihre Hausaufgaben machen, wenn sie in Klima- und Energiefragen Vorreiter bleiben und ihre Ziele erreichen will", so Unmüßig weiter.

BUND sieht Ruck zu globaler Energiewende

Zustimmung erhielt sie vom BUND. Mit dem Weltenergiegipfel sei "ein Ruck in Richtung globale Energiewende" ausgelöst worden, sagte die BUND-Vorsitzende Angelika Zahrnt. "Die Zukunft ist erneuerbar, diese Idee setzt sich langsam durch. Die Regierungen müssen jetzt die vereinbarten Ziele und die Schritte beim Ausbau erneuerbarer Energien möglichst schnell umsetzen, damit die Klimaerwärmung gestoppt wird. Und noch abseits stehende Staaten wie die USA oder Russland müssen dringend in die globale Allianz des Klimaschutzes aufgenommen werden; ohne sie kann es die Welt nicht schaffen."

Positive Bilanz auch vom BEE

Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie zog eine positive Bilanz der Veranstaltung: "Die Erneuerbaren Energien setzen sich durch! Die gemeinsame Erklärung der Weltkonferenz in Bonn ist ein klares Signal, dass Erneuerbare Energien weltweit die Zukunft der Energieversorgung darstellen sollen. Die Teilnehmer haben deutlich gemacht, dass es ihnen mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien ernst ist", sagte BEE-Chef Milan Nitzschke.

Der Aktionsplan im Überblick

Insgesamt wurden etwa 165 freiwillige Aktionen und Verpflichtungen für die Aufnahme in das Aktionsprogramm eingereicht. Besonders ambitiöse Ziele stammen beispielsweise von China, den Philippinen sowie der Weltbank und der Global Environment Facility (GEF).

China plant China die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien an der installierten Gesamtenergieleistung auf zehn Prozent bis 2010. Um diese Ziele zu erreichen hat China eine eigene nationale Strategie für erneuerbare Energien entwickelt, wofür die Regierung in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren insgesamt knapp 50 Milliarden Euro aufbringen wird.

Die Philippinen wollen den Anteil von erneuerbaren Energien an der nationalen Gesamtenergieleistung bis 2013 um 100 Prozent auf insgesamt 4700 Megawatt steigern - vor allem über die Nutzung von Erdwärme und Windenergie. Damit würden die Philippinen zum weltgrößten Produzenten von geothermisch erzeugter Energie sowie zum führenden Windenergieerzeuger Südostasiens.

Der Finanzierungsfonds "Globale Umweltfazilität" (Global Environment Facility, GEF) sagte zu, jährlich 100 Millionen US-Dollar einzusetzen, um anspruchsvolle Erneuerbare-Energien-Projekte in Entwicklungsländern zu unterstützen. Dadurch sollen Gesamtinvestitionen von etwa 500 Millionen US-Dollar pro Jahr ausgelöst werden.

Die Weltbankgruppe hat angekündigt, die Zusagen im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz um jährlich 20 Prozent in den nächsten fünf Jahren zu erhöhen. Damit soll sich im Jahr 2010 die jährliche Unterstützung erneuerbarer Energien und Energieeffizienz auf 400 Millionen US-Dollar belaufen, was einer Verdoppelung der bisherigen Summe entspricht.