Laufzeit künstlich verlängern

Zoff um monatelange Biblis-Revision (Upd.)

RWE will den hessischen Atommeiler Biblis A für eine siebenmonatige Revision vom Netz nehmen. Der Konzern hofft auf eine neue Atompolitik nach der anstehenden Bundestagswahl und will das AKW über die Wahl hinaus Laufen lassen. Die Ankündigung ist am Freitag von mehreren Seiten scharf kritisiert worden.

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Biblis (ddp-hes/sm) - RWE hatte am Donnerstagabend angekündigt, nach Biblis-Block B, der am 23. Januar für vier Monate zu seiner 25. Revision vom Netz ging, Ende Februar auch Biblis A herunterfahren zu wollen.

Kraftwerkschef Hartmut Lauer sagte, RWE werde für Block A "die Fahrweise im Rahmen unserer Kraftwerkeinsatzplanung so optimieren", dass man den Betrieb der Anlage "bis zu den noch ausstehenden gerichtlichen Entscheidungen" bei der Strommengenübertragung sicherstellen könne.

RWE kämpft noch für Reststommengenübertragung

Derzeit sind noch zwei Verfahren vor Gerichten anhängig. In diesen will der RWE-Konzern klären, ob er Reststrommengen aus dem nie in Betrieb genommenen rheinland-pfälzischen AKW Mülheim-Kärlich und aus dem AKW Lingen im Emsland auf den Meiler Biblis A übertragen darf.

Eine solche Übertragung von jüngeren Kraftwerken auf ältere Meiler muss vom Bundesumweltministerium genehmigt werden. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte ein RWE-Sprecher erklärt, der Konzern hoffe nach der Bundestagswahl 2009 auf ein günstigeres politisches Klima für Atomkraft in Deutschland.

Grüne sprechen von "künstlich verlängerten Revisionszeiten"

Die hessischen Grünen haben die Ankündigung RWEs scharf kritisiert. "Verträge mit Energiemanagern sind das Papier nicht wert, auf dem sie stehen", sagte Grünen-Chef Tarek Al-Wazir. Kraftwerks-Chef Lauer habe endlich beim Namen genannt, was wirklich hinter den langen Stillständen der beiden Blöcke A und B stecke: RWE wolle sich mit "künstlich verlängerten Revisionszeiten" über die Bundestagswahl im September 2009 retten, kritisierte der Grünen-Politiker. "Der Kraftwerksbetreiber schert sich einen Dreck um die Sicherheit der Anlage", so Al-Wazir weiter. RWE gehe es nur darum, die Chance auf eine Laufzeitverlängerung zu wahren.

Die hessische Sektion des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderte RWE dazu auf, sich an die Atomausstiegs-Vereinbarung mit der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2000 zu halten. Die endgültige Abschaltung beider Biblis-Blöcke führe keineswegs zu der oft befürchteten Versorgungslücke oder zu steigenden Energiepreisen.

Die beiden Biblis-Blöcke A und B wurden 1974 und 1976 in Betrieb genommen und gehören damit zu den ältesten noch genutzten Reaktoren in Deutschland. Atomkraftgegner kritisieren seit langem, dass Biblis gravierende Sicherheitsmängel aufweise. Dies gelte vor allem für Block A. RWE hält das Kraftwerk hingegen für sicher.