Umfrage

ZEW-Energiemarktbarometer: Erdgas soll Atomkraft ersetzen

Laut einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sind 46 Prozent der befragten Fachleute der Meinung, dass die durch den Ausstieg aus der Kernenergie wegfallenden Kraftwerkskapazitäten hauptsächlich durch den Zubau von Gaskraftwerken kompensiert werden.

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Mannheim (red) - Die in den vergangenen Wochen wieder aufgeflammte Kontroverse um den Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland zeigt, dass dieses Thema noch längst nicht ausdiskutiert ist. Die im aktuellen ZEW-Energiemarktbarometer befragten Experten setzen hierbei in ihrer Mehrheit zwar auf "graue" Szenarien, bei denen die klassischen Energieträger und Stromimporte dominieren, eine beachtliche Minderheit hält allerdings auch eine "grüne" Option für möglich, in der gemeinsam mit Gaskraftwerken vor allem die erneuerbaren Energien die Lücke füllen, die die Atomkraft hinterlässt.

Das Energiemarktbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist eine halbjährliche Umfrage unter mehr als 200 Experten aus Wissenschaft, Energieversorgungs-, Energiehandels- und Energiedienstleistungsunternehmen zu ihren Erwartungen bezüglich der kurz- und mittelfristigen Entwicklung an den nationalen und internationalen Energiemärkten. Wie das aktuelle ZEW-Energiemarktbarometer zeigt, setzt eine deutliche Mehrheit von 46 Prozent der befragten Experten angesichts der fünf Alternativen Gaskraftwerke, Kohlekraftwerke, erneuerbare Energien, Einsparmaßnahmen und Stromimporte in erster Linie auf den Zubau von Gaskraftwerken, um die wegfallende atomare Kraftwerkskapazität zu ersetzen.

Bei der Frage, mit welchen anderen Energieträgern beziehungsweise Maßnahmen der verstärkte Einsatz von Gas in Zukunft kombiniert werden soll, um Atomstrom zu ersetzen, gehen die Ansichten der Experten allerdings auseinander. 31 Prozent gehen von Gas in Kombination mit Kohle als den beiden vorrangigen Alternativen aus. Gaskraftwerke und Stromimporte halten mehr als 20 Prozent der Teilnehmer für die wahrscheinlichsten Maßnahmen. Und immerhin mehr als 15 Prozent der Experten vertreten die Meinung, dass eine Kombination von Gas mit erneuerbaren Energien den wichtigsten Ersatz für Atomstrom darstellen wird.

83 Prozent der Experten davon zudem davon aus, dass die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands vom Erdgas in den nächsten fünf Jahren zunehmen wird. Für die USA erwarten dies dagegen nur 60 Prozent. Ganz anders präsentiert sich das Bild beim Rohöl. Während für Deutschland etwa 47 Prozent der befragten Experten eine zunehmende wirtschaftliche Abhängigkeit von diesem Energieträger erwarten und knapp 40 Prozent eine stagnierende beziehungsweise zwölf Prozent eine abnehmende Abhängigkeit, geht für die USA eine deutliche Mehrheit von knapp 73 Prozent der Befragten von einer zunehmenden Abhängigkeit vom Rohöl aus.