Privatkunden sollen Industrie entlasten

Zeitung: Scharfe Kritik an Ökostrom-Entlastung für die Industrie

Die stärkere Beteiligung von Privatkunden an den Kosten für Ökostrom stößt bei Verbraucherschützern auf Kritik. Gegenüber dem Berliner Tagesspiegel (Freitagausgabe) äußerten sich der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) und der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE).

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - "Bei allen Sympathien für die erneuerbaren Energien müssen wir aufpassen, dass die Verbraucher nicht übermäßig belastet werden", sagte Holger Krawinkel vom vzbv. Nach einem Beschluss der Bundesregierung vom Donnerstag, soll die Industrie bei den Kosten für Ökostrom entlastet werden. Den Angaben zufolge ist ein Betrag von 400 Millionen Euro auszugleichen. Dies bedeute laut Umweltministerium, dass ein durchschnittlicher Haushalt einen Euro mehr pro Jahr bezahlen müsse.

"Das ist zwar nicht viel", sagte Krawinkel. Der Vorgang zeige aber exemplarisch, wie gut die Industrie ihre Interessen in der schwarz-roten Koalition durchsetzen könne. "Wir hätten zwingend eine Intervention von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) erwartet", sagte Krawinkel. "Aber nichts dergleichen ist geschehen."

Nach Ansicht von BEE-Geschäftsführer Milan Nitzschke werden die Verbraucher "missbraucht". Nitzschke: "Hier wird der Eindruck erweckt, dass die erneuerbaren Energien für die steigenden Strompreise verantwortlich seien. Das ist nicht der Fall." Derzeit müssten die Verbraucher für Wind, Sonne und Biomasse 0,55 Cent je Kilowattstunde zahlen. Davon jedoch entfielen allein 0,1 Cent auf die Härtefallregel für die Industrie.

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