Zum Jahreswechsel

Zeitung: Rund 300 Versorger wollen Strompreise erhöhen

Nach den Energiekonzernen E.ON und RWE erwägen offenbar mehrere hundert kleinere Versorger, die Strompreise ab 2008 anzuheben. E.ON-Chef Bernotat gibt die Schuld für die steigenden Peise dem Staat, die DIW-Energieexpertin Kemfert kann die Preissteigerungen jedoch nicht nachvollziehen.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Hamburg/Düsseldorf (ddp/sm) - Laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) stehe eine Erhöhungswelle zum 1. Januar 2008 bevor. Wie es heißt, könnten die Tarifsteigerungen so hoch wie zuletzt zum 1. Juli und 1. Oktober 2007 ausfallen. Zu diesen Terminen hatten insgesamt fast 200 Versorger ihre Strompreise um durchschnittlich sieben bis acht Prozent angehoben.

E.ON hat derweil seine angekündigten Preiserhöhungen verteidigt. Es gebe nur einen Preistreiber im deutschen Strommarkt - den Staat, sagte der E.ON-Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat. "Der Preisanstieg für Haushaltskunden seit 1998, dem Beginn der Liberalisierung, geht voll auf sein Konto", fügte er hinzu. Trotz gestiegener Kosten für Öl, Kohle und Gas seien die Strompreise ohne den Staatsanteil gesunken.

Nach Ansicht der Energieexpertin Claudia Kemfert gibt es für die geplanten Preissteigerungen keine sinnvolle Begründung. Die Wissenschaftlerin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagte dem Nachrichtensender N24, in Deutschland würden 80 Prozent des Stroms aus abgeschriebenen Kohle- und Atomkraftwerken gewonnen. "Da gibt es gar nicht die Preissteigerungen, die hier erwähnt werden", sagte sie. Die erneuerbaren Energien trieben den Preis auch nur um drei Prozent. Und die staatlichen Abgaben hätten sich auch nicht erhöht.

Aus Kemferts Sicht ist ein Anbieterwechsel für den Verbraucher "natürlich auch nicht sehr interessant", wenn überall die Preise steigen. Die Politik müsse endlich kartellrechtlich durchgreifen. "Das ist das geeignetere Mittel", sagte sie.