Abweichende Schätzungen

Zeitung: RAG-Haupteigentümer sehen offene Fragen beim Börsengang

Der geplante Börsengang des RAG-Konzerns ist nach Medieninformationen weiter unsicher. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, zögerten die Haupteigentümer der RAG (RWE, ThyssenKrupp und E.ON) noch, ihre Anteile gegen einen symbolischen Preis von einem Euro abzugeben.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg/Essen (ddp/sm) - Zurzeit stehe für sie nicht einmal annähernd fest, welchen Wert die Anteile überhaupt hätten, so das Blatt. Ein begonnenes Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young solle erst kurz vor der Entscheidung über einen RAG-Börsengang abgeschlossen werden, hieß es weiter. Die vorläufigen Schätzungen der Gutachter ergäben je nach Szenario Abweichungen zu den RAG-Vorstellungen von rund 200 Millionen Euro bis hin zu hohen dreistelligen Millionenbeträgen. Die erheblichen Differenzen resultierten aus der Tatsache, dass entscheidende Faktoren wie etwa die Anschlussfinanzierung des Steinkohlebergbaus in NRW noch ungeklärt seien.

Unabhängig vom Wert der RAG-Anteile sei für die Eigentümer völlig offen, ob die öffentliche Hand tatsächlich bereit wäre, die jetzigen RAG-Eigentümer von jeglicher Haftung zu befreien - auch wenn das Stiftungsvermögen für die Altlasten nicht ausreichen sollte. Nur wenn dies zugesichert werde, sei ein Verkauf überhaupt denkbar, heiße es in Eigentümerkreisen.

RAG-Chef Werner Müller hatte den weiteren Angaben zufolge vorgeschlagen, den Erlös des Börsengangs plus die bisherigen Rückstellungen in eine Stiftung einzubringen. Diese solle für die Stilllegungs- und Folgekosten des Steinkohlenbergbaus aufkommen. Laut NRW-Gutachten müsse der Börsengang etwa 5,7 Milliarden Euro einbringen, um alle vorhersehbaren Kosten zu decken.

Allein für das Abpumpen des Grubenwassers und die Reinigung des Grundwassers müssten danach über dreieinhalb Milliarden Euro bereitgestellt werden. Sollten darüber hinaus große unvorhersehbare Schäden auftreten, würden dann nicht mehr die milliardenschweren Alteigentümer dafür aufkommen. Sie müssten wohl von den Steuerzahlern gedeckt werden, berichtete das Nachrichtenmagazin weiter.