Grenzwerte zu hoch

Zeitung: Ossis sind weniger vor Atomstrahlen geschützt

Nach Ansicht der Physiker Pflugbeil und Körblein benachteiligt die neue Strahlenschutzverordnung den Osten Deutschlands und Schwangere. Das sei "unfassbar und menschenverachtend", sagen sie in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "natur&kosmos".

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Schwere Vorwürfe gegen Bundesumweltminister Jürgen Trittin: Der Physiker Sebastian Pflugbeil, Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz in Berlin und sein Kollege Alfred Körblein vom Münchner Umweltinstitut attackieren den für die Reaktorsicherheit zuständigen Minister der Grünen in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift "natur&kosmos". Ziel ihrer Kritik ist die neue Strahlenschutzverordnung, die seit vergangenen Sommer in Kraft ist.

Für Pflugbeil ist es "unfassbar und menschenverachtend", dass zwölf Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung in der ehemaligen ostdeutschen Uranmine Wismut noch die Grenzwerte aus DDR-Zeiten gelten: So mute man den Menschen in den neuen Bundesländern weiter Grenzwerte zu, die für Leber und Lunge um das 55,6-fache, für Knochenmark um das 166,7-fache über den neuen Werten des Westens liegen. Für Alfred Körblein ist es zudem ein Skandal, dass künftig auch schwangere Frauen in den Kontrollbereich eines Atomreaktors dürfen. Sein Urteil über die neuen Bestimmungen der Verordnung: "Die Schädigung am ungeborenen Leben wird sträflich unterbewertet."