Brisante Studie

Zeitung: Gutachten entlastet Energiebörse EEX

Einem neuen Gutachten zufolge hat die Leipziger Strombörse EEX die Strompreise möglicherweise nicht künstlich in die Höhe getrieben. Laut dem Gutachten gibt es Belege dafür, dass die Strompreiserhöhungen 2005 keine Folge der Ausübung von Marktmacht waren.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Ein Gutachten des Kölner Volkswirts Axel Ockenfels weckt Zweifel an Vorwürfen, wonach die Strompreise an der European Energy Exchange (EEX) künstlich in die Höhe getrieben werden. "Es gibt überzeugende theoretische und empirische Evidenz dafür, dass die stark kritisierten Strompreiserhöhungen 2005 nicht auf die Ausübung von Marktmacht zurückgeführt werden können", schreibt der Energieexperte in einem 44-seitigen Gutachten, das der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagsausgabe) vorliegt.

Ockenfels sehe die Preiserhöhungen vielmehr als Folge der zusätzlichen Kosten, die den Versorgern mit dem Emissionshandel entstehen. Seit 2005 müssten Energie- und Industrieunternehmen im Rahmen des Europäischen Emissionshandels ihren CO2-Ausstoß mit Verschmutzungszertifikaten unterlegen, deren Preis sie in ihre Kalkulationen einbezögen.

Besondere Brisanz berge das Gutachten für den schleswig-holsteinischen Wirtschaftsminister Dietrich Austermann (CDU). Er habe die Studie bei Ockenfels in Auftrag gegeben, aber bisher nicht veröffentlicht. Austermann habe die EEX als "unzulässiges Kartell" bezeichnet. Er habe gefordert, dass alle Kraftwerkskapazitäten an der Börse angeboten und alle Windfall-Profits besteuert werden müssten.