Telefonüberwachung

Zeitung: Gravierende Panne bei Ermittlungen gegen EnBW-Chef

EnBW-Chef Utz Claassen ist offensichtlich Opfer einer Ermittlungspanne geworden: Wie die "Stuttgarter Nachrichten" heute berichten, wurde der Vorstandsvorsitzende aufgrund einer Personenverwechslung fälschlicherweise der Verdunkelungsgefahr verdächtigt. Dies soll zur Überwachung von Telefonverbindungen geführt haben.

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Stuttgart/Mannheim (ddp/sm) - Bei den Ermittlungen gegen den Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, wegen des Verdachts der Bilanzfälschung soll es zu einer gravierenden Panne gekommen sein. Nach einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwochausgabe) wurde Claassen aufgrund einer Personenverwechslung fälschlicherweise der Verdunkelungsgefahr verdächtigt. Dies soll zur Überwachung von Telefonverbindungen geführt haben.

Eine Sprecherin der zuständigen Staatsanwaltschaft Mannheim wollte sich auf ddp-Anfrage zu dem Pannenvorwurf zunächst nicht äußern. Sie kündigte aber für einen späteren Zeitpunkt eine Stellungnahme an. Derzeit werde der Vorgang intern geprüft.

Dem Zeitungsbericht zufolge sollen die Ermittler zwei gleichnamige Experten verwechselt haben. Dadurch sei der Verdacht aufgekommen, Claassen betreibe mit dem von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachter gemeinsame Sache. Um dies zu erhärten, sei sogar ein richterlicher Beschluss zur Freigabe privater Telefondaten erwirkt worden. Letztlich habe sich aber herausgestellt, dass es keine Verbindung zwischen dem Gutachter und dem Konzernchef gibt.

Claassen sprach in der Zeitung von einem "Justizskandal". "Das ist ein Ding aus dem Tollhaus, wie man es nicht mal im Kongo und auf den Philippinen erwarten dürfte", betonte er. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Frühjahr gegen den EnBW-Vorstandsvorsitzenden wegen des Verdachts gefälschter Unternehmensbilanzen im Jahr 2003.