Zweifel

Zeitung: Entlassener EnBW-Reaktorchef kritisierte Kraftwerks-Sicherheit

Wie die "Stuttgarter Zeitung" heute berichtet, gibt es bei der Entlassung des Atomexperten Eberhard Grauf als Chef des zweiten Reaktorblocks im EnBW-Kernkraftwerk Neckarwestheim Ungereimtheiten. Interne Dokumente belegen, dass Grauf vor seiner Entlassung die Sicherheit der Kernkraftwerke massiv kritisiert hat.

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Stuttgart (ddp/sm) - Der frühere Reaktorchef des Atomkraftwerks Neckarwestheim, Eberhard Grauf, hat einem Zeitungsbericht zufolge vor seiner Entlassung die Sicherheit der Kernkraftwerke der Energie Baden-Württemberg (EnBW) massiv kritisiert. Dies belegten interne Dokumente, heißt es in einem Bericht der "Stuttgarter Zeitung" (Montagausgabe). Bisher habe das für die Atomaufsicht zuständige Umweltministerium in Stuttgart behauptet, dies habe bei der Entlassung keine Rolle gespielt.

Der international renommierte Atomexperte war als Chef des zweiten Reaktorblocks in Neckarwestheim Ende Juni überraschend abgelöst worden. Die EnBW hatte die Entlassung den Angaben zufolge mit "verbalen Ausfällen" und "querulatorischem" Verhalten Graufs begründet.

Die Zeitung bezog sich nun auf einen Vortrag, den Grauf vor dem EnBW-Chef Utz Claassen und weiteren Managern vor seiner Entlassung gehalten hatte sowie auf "geheime Protokolle" einer Befragung von Grauf durch das Umweltministerium. Demnach habe Grauf beklagt, dass die EnBW nichts aus den schweren Sicherheitsverstößen im Jahr 2001 im Atomkraftwerk Philippsburg gelernt habe.

Grauf soll Zweifel an dem auf Druck der Atomaufsicht eingeführten Sicherheitsmanagement geäußert haben. Es handele sich dabei um "Alibi- und Beruhigungsinstrumentarien", die die Situation "eher schlechter als besser" machten. Besorgt habe sich Grauf auch über die angeblich gleichgültige Stimmung der Kraftwerksbelegschaft geäußert. Dort greife "der Götz-von-Berlichingen-Standpunkt in einem bedenklichen Maß um sich".

Gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" habe das Umweltministerium nun erstmals eingeräumt, dass Grauf "Sicherheitsfragen kritisch angesprochen" habe. Dies sei aber nicht der Grund der Kündigung gewesen. Die EnBW verwies der Zeitung zufolge auf die bisher genannten Gründe.