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Zeitung berichtet über Razzia bei Stromkonzern E.ON (Upd.)

Fahnder der EU-Kommission und des Bundeskartellamts haben nach Zeitungsinformationen am Dienstag die Zentralen des Energiekonzerns E.ON in Düsseldorf und München durchsucht und Unterlagen, Datenträger sowie Computer des Spitzen-Managements um Konzernchef Wulf Bernotat beschlagnahmt.

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Zu den gestern gemeldeten Durchsuchungen gibt es weitere Informationen. Wie die "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) vorab berichtete, ist die Brüsseler Kommission in den Besitz von Hinweisen gekommen, die auf die Existenz von Vereinbarungen zur Marktaufteilung zwischen großen deutschen Stromversorgern hindeuten. Nur das Top-Management und wenige Mitarbeiter sollen in die Vorgänge involviert gewesen sein.

E.ON wollte sich nicht zu dem Bericht äußern. "Dies kommentieren wir nicht", sagte ein Sprecher des Konzerns am Donnerstag in Düsseldorf auf Anfrage.

Konkret werde in den der Kommission vorliegenden Unterlagen neben E.ON auch der Essener Konkurrent RWE genannt. Die beiden Konzerne sollen den Hinweisen zufolge auch vereinbart haben, die gegenseitigen traditionellen Liefergebiete zu respektieren, sich also gegenseitig keine Konkurrenz zu machen. Solche Absprachen verstoßen gegen das EU-Wettbewerbsrecht.

Bei der Razzia in München sind die Ermittler nach Informationen der Zeitung mitten in eine Vorstandssitzung der Stromtochter E.ON Energie geplatzt. Sie sollen alle im Raum vorhandenen Unterlagen einschließlich der elektronischen Korrespondenz- und Speichermedien beschlagnahmt haben. Die Fahnder sollen sich auch für sämtliche Unterlagen zu langfristigen Strom-Lieferverträgen E.ONs mit Stadtwerken in ganz Deutschland interessiert haben.

Bereits am 16. Mai hatte die EU-Kommission in einer europaweiten Aktion wegen des Verdachts wettbewerbswidriger Praktiken die Zentralen zahlreicher großer Gasversorger durchsuchen lassen. Auf deutscher Seite waren davon ebenfalls der RWE-Konzern sowie die E.ON-Tochter Ruhrgas betroffen.

Die Durchsuchungen haben anscheinend auch Folgen für den deutschen Aktienmarkt. Der DAX verlor bis gegen 13.00 Uhr 1,2 Prozent auf 5623 Punkte. Besonders betroffen waren die Versorger: RWE gaben um 2,0 Prozent auf 65,30 Euro nach, E.ON um 1,9 Prozent auf 88,32 Euro.