Laufzeitverlängerung alter AKW

Zeitung: Atomindustrie widersetzt sich Umweltminister Gabriel

Die Atomindustrie widersetzt sich angeblich dem Drängen von Umweltminister Gabriel und will weiterhin die Laufzeiten für Deutschlands älteste Kernkraftwerke verlängern. Die dena bezeichnet dies als "nicht sillvoll", auch das Bundesamtes für Strahlenschutz hat sich gegen die Anträge auf Laufzeitverlängerung ausgesprochen.

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Berlin/Hamburg (ddp/sm) - Nach Informationen der "Berliner Zeitung" (Mittwochausgabe) wollen die Energiekonzerne RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall an ihren Plänen festhalten, Laufzeitverlängerungen für die drei älteren Kernkraftwerke Biblis A, Neckarwestheim 1 sowie Brunsbüttel zu beantragen, um im Gegenzug modernere Meiler früher abzuschalten. An dieser Absicht ändere auch die Tatsache nichts, dass Gabriel alle Betreiber für Ende August zu einem Gespräch über Restlaufzeiten eingeladen habe, um eine Übertragung von jüngeren auf ältere Meiler wie den Pannen-Reaktor Brunsbüttel zu verhindern.

Weiter hieß es dem Bericht zufolge aus den Kreisen, auch juristische Mittel sollten weiter verfolgt werden, um Genehmigungen für die Laufzeitverlängerung der älteren Reaktoren im Zweifel vor Gericht zu erstreiten. Der Essener Energiekonzern RWE möchte seinen Meiler Biblis A länger laufen lassen als nach dem Atomausstiegsgesetz eigentlich vorgesehen, dafür sollen Restlaufzeiten der Reaktoren Mülheim-Kärlich und Lingen (Emsland) auf Biblis A übertragen werden. Ähnliche Laufzeitübertragungen möchten die Betreiber EnBW sowie Vattenfall/E.ON bei ihren Meilern Neckarwestheim sowie Brunsbüttel und Krümmel vornehmen.

dena sieht erhöhte Risiken für Alt-AKW

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) lehnt jedoch eine Verlängerung der Restlaufzeiten alter Atomkraftwerke ab. Im Atomausstieg sei vereinbart worden, nur Restlaufzeiten alter Anlagen auf neue Werke zu übertragen, was angesichts der Risiken der Atomkraft richtig sei, so dena-Chef Stefan Kohler. Er räumte auch ein, dass es nicht unbedingt einen Zusammenhangzwischen dem Alter einer Anlage und dem Risiko gebe. Für die beiden deutschen Altanlagen, die jüngst Störfälle melden mussten, gebe es aber erhöhte Risiken. Gerade bei Krümmel und Brunsbüttel könne die Energie-Agentur nachweisen, dass eine Restlaufzeitübertragung auf diese Kernkraftwerke völlig inakzeptabel sei.

Der dena-Leiter erklärte, dass in naher Zukunft die Weichen für die künftige Energieversorgung gestellt würden. In den kommenden 15 Jahren müsse die Hälfte der bestehenden Kraftwerke ersetzt werden: "Und dadurch werden natürlich Strukturen geschaffen, die dann wiederum für die nächsten 30 bis 40 Jahre bestimmend sind." Dabei sei es durchaus möglich, bis zum Jahr 2050 bis zu 60 Prozent der Versorgung durch regenerative Energien zu gewähren.

Strahlenschutzamt fordert Rücknahme der Anträge

"Die Industrie sollte von sich aus anbieten, die Laufzeiten alter Kraftwerke zu verkürzen", sagte Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) der Wochenzeitung "Die Zeit". Das wären klare Signale, betonte König. Damit könne die Industrie eine Menge des Vertrauens zurückgewinnen, das sie in den vergangenen Tagen verspielt habe.

Anlässlich der Vorfälle in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel hält König für die Zukunft eine Umkehr der Beweislast für denkbar. "Die Unternehmen sollten künftig beweisen müssen, dass der sichere Betrieb der Kraftwerke gewährleistet ist§, fordert der Chef des Bundesamts für Strahlenschutz. Den Betreiber Vattenfall kritisierte König unterdessen scharf: §Vattenfall hat die Erwartungen der Bevölkerung ignoriert, ja mit Füßen getreten."