Winterzeit

Zeitumstellung bringt womöglich mehr Schaden als Nutzen

In der Nacht von Samstag auf Sonntag werden die Uhren eine Stunde lang angehalten, man kann also länger schlafen. Energie wird jedoch so gut wie gar nicht eingespart durch die Zeitumstellung - im Gegenteil. Viele wünschen sich, die EU würde die Sommerzeit zurücknehmen.

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Berlin (dapd/red) - Die meisten Menschen in Deutschland werden diese ganz spezielle Stunde in der Nacht zum 30. Oktober wohl einfach verschlafen. Zum Ende der Sommerzeit erhalten sie dennoch jene 60 Minuten zurück, um die im März eine Nacht kürzer war. Um 3.00 Uhr werden die Zeitmesser auf 2.00 Uhr zurückgestellt. Unternehmen und Landwirte haben sich auf die wiedergewonnene Stunde vorbereitet, während die Energiebranche ein Ende der Sommerzeitregelung fordert.

Nachtzüge werden eine Stunde lang angehalten

Die Bauern hätten gelernt, mit der Zeitumstellung umzugehen, sagte DBV-Pressereferent Johannes Funke auf dapd-Anfrage. Der ein oder andere Mähdrescher-Fahrer sei gar nicht böse, wenn im Sommer der Abend länger hell ist, so Funke.

Auch für die Deutsche Bahn sei die Zeitumstellung längst Routine, sagte ein Bahn-Sprecher auf Anfrage. Die Uhren würden automatisch zurückgestellt - direkte Auswirkungen habe die Umstellung allerdings auf rund 40 Nachtzüge. Damit sie fahrplanmäßig und nicht eine Stunde früher ihre Ziele erreichen, werden sie laut Bahn um 2.00 Uhr nahe gelegene Bahnhöfe anfahren und eine Stunde stehen bleiben. Mit Mehrkosten sei nicht zu rechnen.

Zeitumstellung bringt nichts, sagt die Energiebranche

Die Energiebranche sieht laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) indessen das einstige Ziel verfehlt, mit der Einführung der Sommerzeit Strom zu sparen. Seit Jahren könne die Energiewirtschaft kaum eine derartige Wirkung durch den Dreh am Zeiger erkennen, sagte die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, Hildegard Müller.

Zwar würde an hellen Sommerabenden weniger Strom für Licht, dafür aber mehr für Freizeitgestaltung wie erhöhten Fernsehkonsum benötigt. Ein Sprecher des Stromkonzerns EnBW betonte, dass intelligente Zähler und ein stärkeres Bewusstsein der Verbraucher bei ihrem Stromverbrauch bisher mehr Effekt gebracht hätten als die Sommerzeit. Da für Beleuchtung zudem weniger Strom anfällt als für Geräte wie Fernseher oder DVD-Player, könnte die Ersparnis nicht nur aufgefressen worden sein, sondern sich ins Gegenteil verkehrt haben.

Die Geschichte der Zeitumstellung

In der Bundesrepublik wurde die Sommerzeit 1980 eingeführt, bis 1995 endete sie Ende September, seit 1996 dauert sie wie in den anderen EU-Ländern jeweils vom letzten Sonntag im März bis zum letzten Sonntag im Oktober. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Mitteleuropäische Zeit (MEZ), die umgangssprachlich auch Winterzeit genannt wird.