Landtagswahl Hessen

Ypsilanti beruft Energiepolitiker Scheer in ihr "Zukunftsteam"

Die SPD-Spitzenkandidatin für die Landtagswahl in Hessen 2008, Andrea Ypsilanti, hat den Energiepolitiker Hermann Scheer als erstes Mitglied in ihr "Zukunftsteam" berufen. Wie Ypsilanti auf einer Veranstaltung der SPD-Landtagsfraktion bekannt gab, werde Scheer für Wirtschaft und Umwelt zuständig sein.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Wiesbaden (ddp-hes/sm) - Ypsilanti betonte, mit Scheer habe sie eine "weltweit anerkannte und profilierte Persönlichkeit" auf dem zentralen Zukunftsfeld der erneuerbaren Energien gewonnen. Scheer sei sowohl als Wissenschaftler als auch als politischer Praktiker ausgewiesen. Für ihren Politikansatz der Integration von Wirtschafts- und Umweltpolitik sei er "die denkbar beste Wahl".

Scheer erklärte anlässlich seiner Benennung, er übernehme die Aufgabe gerne und wolle Ypsilanti "tatkräftig" unterstützen. Das Ziel der hessischen SPD, am Atomausstieg festzuhalten, den Ausbau erneuerbarer Energien massiv voranzutreiben und den Bau neuer fossiler Großkraftwerke überflüssig zu machen, entspreche genau dem Konzept, für das er eintrete.

Scheer zufolge wird Hessen in der Auseinandersetzung um die künftige Ausrichtung der Energiepolitik eine Schlüsselrolle einnehmen, weil hier nach dem Atomausstiegsgesetz die Kernenergieproduktion bereits 2013 beendet sein soll und damit deutlich früher als in anderen Bundesländern. Gleichzeitig trete aber "kein führender Politiker so vehement für die Atomenergie ein" wie Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Keiner sei "abweisender" gegenüber erneuerbaren Energien eingestellt, denen er nicht nur die Atomenergie vorziehe, sondern auch neue fossile Großkraftwerke, kritisierte Scheer.

Scheer, der Bundestagsabgeordneter und Träger des Alternativen Nobelpreises ist, hatte bereits im vergangenen Jahr für die Landes-SPD ein Konzept für eine Energiewende erarbeitet. Nach seinen Berechnungen wäre es möglich, die beiden hessischen Atomreaktoren in Biblis abzuschalten, ohne klimabelastende Kohle- oder Gaskraftwerke als Ersatz zu bauen. Allerdings müssten hierfür landesweit 1700 Windräder oder andere Anlagen für erneuerbare Energien errichtet werden. Die beiden Biblis-Blöcke erzeugen bislang knapp 60 Prozent des Stroms in Hessen.

Scheer gehört seit 1980 dem Bundestag an und ist seit 1993 Mitglied des SPD-Bundesvorstands. Zudem ist er Präsident der Europäischen Vereinigung für Erneuerbare Energien (Eurosolar) und Vorsitzender des Weltrates für Erneuerbare Energien.