"Yello Strom" mit Dumping-Tarif auf dem Markt: 19 Pfennig pro Kilowattstunde - Otto-Versand als Partner

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com
Mit ihrer neu gegründeten Tochter "Yello Strom" GmbH steigt die Vertriebsgesellschaft der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) in den Preiskampf auf dem Strom-Markt ein - und das zu einem absoluten Dumping-Preis! Der Slogan "19/19 alles inklusive" sagt, wo’s langgeht: 19 Pfennig pro Kilowattstunde Strom, zudem 19 Mark Grundgebühr im Monat - der zur Zeit günstigste Stromtarif für einen Durchschnittshaushalt in Deutschland! Einziger Nachteil ist die vertragliche Bindungsdauer von einem Jahr. "Yello Strom" - das Strom-Magazin berichtete exklusiv über die Hintergründe der geheimnisvollen Werbekampagne - wurde heute vormittag von der EnBW im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.



Mit der Formel "19/19 alles inklusive" hat sich "Yello Strom" den Anspruch gesetzt, "eine neue Transparenz im Dschungel der Stromtarife zu schaffen". Denn bei dem Tarifmodell handelt es sich um Komplettpreise ohne versteckte Aufschläge, beispielsweise Durchleitungsgebühren, Zählermiete, Ökosteuer, Konzessionsabgaben oder Mehrwertsteuer. Michael Zerr, Geschäftsführer der "Yello Strom" GmbH in Köln: "Wir wollen dem Verbraucher einen Ausweg aus dem Tarifdschungel bieten und hoffen, dass auch andere diese einfache Formel zum Standard ihrer Preispolitik machen. Im Interesse der privaten Haushalte muss das Preismodell 19/19 zum Vorbild in der gesamten Branche werden".



Der Umstieg auf "Yello Strom" kann zwar schon heute beantragt werden, doch soll die tatsächliche Lieferung laut Geschäftsführer Michael Zerr erst im November beginnen. Grund: Es müssen die Fristen für Vertragskündigungen und Verhandlungen mit den örtlichen Versorgungsunternehmen wegen der Stromdurchleitung eingehalten werden. Darum müsse sich aber der Kunde nicht kümmern, so Zerr. Die Verträge gelten zunächst ein Jahr und verlängern sich dann automatisch jeweils um ein halbes Jahr, wenn nicht mindestens einen Monat vor Ablauf schriftlich gekündigt wird.



Verglichen mit dem "Privatstrom"-Angebot der RWE - bislang Vorreiter im Preiskampf - kann eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 Kilowattstunden nochmals 186 DM im Jahr sparen. Wer bisher Kunde bei den Stadtwerken München ist und auf "Yello Strom" umsteigt, kann satte 517 DM einsparen. Auf den Ansturm potentieller Neukunden ist man bei "Yello Strom" vorbereitet: 800 Call-Center-Mitarbeiter stehen bereit, um Strom zu verkaufen. Außerdem wird "Yello Strom" auch über Partner vertrieben, etwa über den Otto-Versand (größtes Versandhaus Europas, Postkarten-Beilage in 15 Millionen Katalogen) oder über die Elektrohandelskette Red Zac. Erklärtes Ziel ist es, die Nummer Eins im hart umkämpften Privatkundenmarkt zu werden: "Wir wollen 25 bis 30 Prozent der wechselwilligen Verbraucher". Der von den Stromanbietern umkämpfte Markt wird auf ein Volumen von rund 4,3 Milliarden DM geschätzt - und ca. 1,3 Milliarden DM will die "Yello Strom" GmbH erwirtschaften. "Wir sind zwar anspruchsvoll - aber auch so realistisch, dass wir uns kein Wolkenkuckucksheim bauen", lässt der neue Anbieter verlauten.



RWE gab sich angesichts des Vorstoßes übrigens gelassen und verwies auf rund 100.000 Interessenten im Rahmen der "Privatstrom-Kampagne". Die Viag-Tochter Bayernwerk kündigte an, nun in der zweiten Augusthälfte ein eigenes Wechselmodell vorzulegen. Der zweitgrößte Stromkonzern, die zur Veba gehörende PreussenElektra, wollte sich zu möglichen eigenen Billigstrom-Plänen zunächst nicht äußern.



Mit einer erneut groß angelegten Kampagne hat "Yello Strom" auch heute in den Tageszeitungen auf sich aufmerksam gemacht: "Ich kauf' doch keinen Strom von einem, der blau ist" konterte "Yello Strom" die blaue Kampagne der RWE aus. EuroPower Energy (Frankfurt) ist hingegen ganz gelassen und verkündet in kleineren Anzeigen: "Manche sagen, Strom hat eine Farbe, ist Privat-, Hauptstadt- oder sonstiger Strom. Wir sagen: Strom ist Strom. Aber Preis ist nicht gleich Preis." Klar ist bis dato, dass nicht nur die Privatkunden von dem liberalisierten Strommarkt profitieren - auch in die Kasse der Werbeindustrie wird noch die eine oder andere Mark fließen...



Apropos Werbung: "Ab heute hat Strom eine Farbe, ab heute ist Strom gelb! Gelb schafft Aufmerksamkeit, Gelb ist sympathisch. Gelb ist Yello, Yello ist gelb. Yello ist Gelb, gut, günstig" - mit diesem markigen Slogan zieht die EnBW-Tochter, deren Markenlaunch über acht Wochen vorbereitet wurde, auf den Markt. Nach wie vor allerdings bleibt die Frage offen, warum sich der gelbe Strom "Yello" und nicht "Yellow" schreibt - zumal die EnBW-Tochter auf ihrer Website die Besucher mit den Worten "Yellow is born!" begrüßt... ;-) - (Anm. d. Red.: Fehler wurde mittlerweile korrigiert).



Thomas Liebau