Gegen neuen Kraftwerke

WWF kritisiert Gabriel wegen Angaben zu Kohlekraftwerken

Der WWF hat Umweltminister Gabriel falsche Angaben zu geplanten Kohlekraftwerken in Deutschland vorgeworfen. Nach jüngsten Erkenntnissen befänden sich bundesweit derzeit 19 neue Kohlekraftwerke im Genehmigungsverfahren, weitere fünf seien konkret geplant, laut Gabriel seien es jedoch nur zehn Anlagen.

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Hamburg (ddp-nrd/sm) - Dies sagte der WWF-Klimaschutzexperte Brick Medak und berief sich dabei auf eine Analyse der Hamburger Rechtsanwaltskanzlei Günther Heidel im WWF-Auftrag. Damit werde die von Gabriel genannte Zahl von zehn neuen Anlagen deutlich übertroffen.

"Wollen Frau Merkel und Herr Gabriel wie versprochen eine Vorreiterrolle beim weltweiten Klimaschutz spielen, dann darf es keine neuen Kohlekraftwerke geben", sagte Medak. CDU und SPD hielten an Steinzeittechnologien fest, statt einen nachvollziehbaren energiepolitischen Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle und Atom vorzulegen.

Vor dem Hintergrund der Koalitionsverhandlungen in Hamburg forderte der WWF CDU und GAL auf, sich nicht vom Säbelrasseln des Energiekonzerns Vattenfall beeindrucken zu lassen. Beide Parteien sollten eine Alternative zu dem geplanten Kohlekraftwerk Moorburg beschließen, mit dem Hamburg ansonsten seine Klimaziele verfehlen würde. Eine Absage von Schwarz-Grün an das Projekt hätte große Symbolkraft weit über die Grenzen Hamburgs hinaus, betonte Medak.

Gabriels Hinweis darauf, dass der Widerstand gegen neue Kohlekraftwerke den Druck auf die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken erhöhe, sei nicht haltbar, sagte Medak. Je mehr neue Kohlekraftwerke gebaut würden, desto schwieriger werde es, die Klimaziele ohne eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten zu erreichen.