Schadensbegrenzung

WWF fordert Umwelt-TÜV für Ostsee-Pipeline

Der für 2008 angestrebte Baubeginn für die Ostsee-Pipeline ist nach Ansicht des WWF unrealistisch. Die Umweltstiftung forderte zuvor einen umfassenden Öko-TÜV für die 1200 Kilometer langen Röhren, die Deutschland und Europa in Zukunft mit russischem Erdgas versorgen soll.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Schwerin (red) - Der WWF präsentierte eine Studie, die die ökologischen Maßstäbe für den Pipelinebau in der Ostsee aufzeigt. "Der angekündigte Baubeginn 2008 lässt sich nur halten, wenn die gängigen deutschen und europäischen Umweltstandards missachtet werden", erläuterte WWF-Ostseeexperte Jochen Lamp. "Wenn die Umwelt zu ihrem Recht kommen soll, kann der Bau kaum vor 2010 beginnen."

Der WWF begründet seine Initiative mit den Risiken des Projektes. So sollen die beiden Röhren das Naturschutzgebiet Greifswalder Bodden queren, wo sie bei Lubmin an Land gehen. "Die Bauarbeiten an zwei 15 Meter breiten und bis zu vier Meter tiefen Rinnen zerstören auf Jahre wertvolle Lebensräume wie die Seegraswiesen. Sie beeinträchtigen wichtige Laichgebiete des Herings und anderer Fischarten", so Lamp weiter. Der WWF fordert, das Schutzgebiet möglichst zu umgehen. Zudem sollten die zwei Gasröhren zumindest in empfindlichen Gebieten nicht wie geplant im Abstand von zwei Jahren, sondern gleichzeitig verlegt werden. So müsse die Natur nicht zwei Störphasen verkraften.

Die geplante Trasse führe durch zum Teil unerforschte Meeresbiotope vor den Küsten Finnlands und Schwedens, erläuterte Lamp. Bevor der Boden umgepflügt werde, müsse geklärt werden, welche Naturschätze sich hier verbergen. Notfalls müssten die Betreiber auf eine weniger schädliche Alternativroute ausweichen. "Blindes Baggern wäre unverantwortlich", so der WWF.

"Während für Windparkplanungen auf hoher See einheitliche Umweltstandards definiert sind, schweigen sich Betreiber und Behörden bei der Ostsee-Pipeline noch aus. Es besteht kein Grund, fossile Energieträger anders zu behandeln als erneuerbare Energien", fasste Lamp die Kritik zusammen. Der WWF fordert einheitliche Prüfkriterien in allen fünf beteiligten Ländern, die sich an den höchsten Standards orientieren müssten. "Nur ein Umwelt-TÜV auf höchstem Niveau entlang der gesamten Trassenführung wird die Schäden so gering wie möglich halten."