Investitionsklima

WWF analysiert Risiken und Chancen für internationale Stromversorger

Stromerzeuger müssen ihre Investitionspolitik umstellen, wenn sie Gewinneinbrüchen entgehen wollen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Umweltschutzorganisation WWF, die die Finanzpolitik von 14 internationalen Stromkonzernen untersucht hat. Fazit: Wer früher aus der Kohle aussteigt, wird zu den Gewinnern gehören.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Für die Stromkonzerne könnte es teuer werden, wenn sie ihre Investitionspolitik angesichts des Klimawandels nicht umstellen. Setzen die Unternehmen weiterhin auf den Neubau von Kohlekraftwerken, müssen sie mit Gewinneinbrüchen von mehr als zehn Prozent rechnen. Gleichzeitig bieten sich für Firmen, die die Weichen frühzeitig für eine Kohlendioxidarme Stromerzeugung auf Basis von Erdgas und erneuerbaren Energien gestellt haben, erhebliche Wettbewerbsvorteile. Zu diesem Ergebnis kommt ein jetzt vom WWF vorgelegter Report der Finanzanalysten Innovest (London). Der Bericht nimmt die Konsequenzen für die Finanzpolitik von 14 internationalen Stromkonzernen, darunter die deutschen Versorger E.ON, RWE und MVV, unter die Lupe. Basierend auf verschiedenen Szenarien werden Chancen und Risken für den Sektor analysiert.

Sowohl die internationale als auch die nationale Klimaschutzpolitik hätte erhebliche Auswirkungen auf die Rahmenbedingen für anstehende Investitionen. Trotz weltweit unterschiedlicher Ansätze und Gesetzesvorhaben zeichne es sich ab, dass die Klimaschutzkosten vermehrt den Verursachern in Rechnung gestellt würden. Da 37 Prozent des weltweiten Kohlendioxidausstoßes auf den Stromsektor entfallen, müssten sich die Energieunternehmen besonders auf diese Entwicklung einstellen. Wenn sie an ihrer bisherigen Politik nichts ändern, müssen in Europa insbesondere E.ON und Scottish Power mit Mehrkosten in Höhe von neun beziehungsweise fünf Prozent der Gewinne von 2002 rechnen, kündigen die Verfasser der Studie an.

Zugleich würden sich durch die bevorstehenden Änderungen große Chancen für Unternehmen bieten: Der spanische Versorger Iberdrola setze zum Beispiel vor allem auf Windkraftanlagen und trage dadurch nur geringe Risiken, wenn sich der Kohlendioxidausstoß als Folge des angestrebten Emissionshandels in Europa künftig verteuert. Selbst der RWE-Konzern, der noch stark auf Kohle setze, könnte jährlich zusätzliche Gewinne von etwa 50 Millionen Euro erzielen. Bei E.on wären etwa 20 Millionen Euro machbar.

"Unternehmen können aber nur dann profitieren, wenn sie sich frühzeitig und aktiv auf Klimaschutz einstellen. Wer früher aus der Kohle aussteigt, wird zu den Gewinnern gehören", prognostiziert Dr. Stephan Singer vom WWF. Die Naturschutzorganisation fordert die Investoren im Stromsektor auf, die klimapolitischen Rahmenbedingungen bei Investitionen stärker zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt der Unternehmensstrategien müsse der schrittweise Ausstieg aus der Kohle stehen. "Von einer solchen Unternehmenspolitik profitieren am Ende die Aktionäre und das Klima", so Singer. Inwieweit sich der Stromsektor bereits auf das veränderte Investitionsklima eingestellt hat, ist nach Einschätzung des WWF noch unklar. Der WWF-Report mache aber deutlich, dass es viele preisgünstige Maßnahmen gibt, um den Kohlendioxidausstoß zu verringern. Inwieweit dieses Potenzial tatsächlich erschlossen werde, hänge von der Weitsicht der Unternehmensführung ab.