Rückzug

Wüstenstrom-Projekt verliert erneut Gesellschafter

Die Wüstenstrom-Initiative Desertec verliert gleich drei Gesellschafter auf einmal. Das Projekt soll unter anderem Ökoenergie nach Europa bringen und war einst mit Milliardenbeträgen unterstützt worden. In den letzten Jahren hatte es immer wieder Probleme gegeben.

Solarenergie© arsdigital / Fotolia.com

Düsseldorf/München/Mannheim (dpa/red) - Das Wüstenstrom-Projekt Desertec verliert drei weitere Gesellschafter: Deutschlands größter Energiekonzern Eon will sich aus dem Gesellschafterkreis der Industrieinitiative Dii zurückziehen, die HSH Nordbank hat sich bereits zum Jahreswechsel verabschiedet. Sprecher des Unternehmens und der Bank bestätigten am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (SZ/Freitag). Auch der Industriedienstleister und Baukonzern Bilfinger zieht sich aus dem Wüstenstrom-Projekt Desertec zurück. "Der Vertrag läuft Ende 2014 aus und wird nicht verlängert", sagte ein Bilfinger-Sprecher am Sonntag und bestätigte einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts" (Montag).

Energie aus Nordafrika

Mit Desertec soll Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und im Nahen Osten produziert und zum Teil auch nach Europa exportiert werden. Zum Start der ambitionierten Initiative war von Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe über Jahrzehnte die Rede.

Konzentration auf Europa

Der Eon-Sprecher sagte, der Ende 2014 auslaufende Kooperationsvertrag werde nicht verlängert. Das Unternehmen wolle sich wieder ausschließlich auf eigene Vorhaben konzentrieren und dabei auch die Entwicklung der Märkte im Bereich Erneuerbarer Energien in Afrika und im Mittleren Osten mit Interesse verfolgen. Eon hatte das Desertec-Projekt seit 2009 als Gründungsmitglied personell und finanziell intensiv unterstützt. Die HSH Nordbank erklärte: "Diese Entscheidung ist vor dem Hintergrund der Konzentration unserer Aktivitäten bei erneuerbaren Energien auf Europa im Zuge der EU-Entscheidung gefallen. Der Idee und der Dii bleiben wir weiter verbunden."

Kein Exodus

Ein Dii-Sprecher räumte ein, dass die Nachrichten nicht schön seien, doch habe es immer einmal wieder Veränderungen im Gesellschafterkreis gegeben. So hatten sich auch die beiden Schwergewichte Siemens und Bosch, die mittlerweile beide ihre Solar-Aktivitäten beendet haben, bereits Ende 2012 aus dem Dii-Gesellschafterkreis verabschiedet. Der Sprecher betonte aber: "Es gibt keinen Exodus der deutschen Unternehmen." Vielmehr sei die Initiative internationaler geworden und deutsche Firmen machten noch immer einen "guten Anteil" aus. Zuletzt habe man beispielsweise die State Grid Company of China als wichtigen Gesellschafter für das Projekt gewonnen, sagte der Dii-Sprecher.

Noch nicht das Aus

Die Initiative kämpft aber schon lange mit Problemen. Vor knapp einem Jahr hatte die Wüstenstrom-Stiftung Desertec nach einem heftigen Streit ihre Zusammenarbeit mit der Industrieinitiative Dii beendet und dies mit "unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten" über die künftige Strategie begründet. Die Dii kündigte daraufhin an, das Wüstenstrom-Projekt trotzdem weiter voranzutreiben.

Nach SZ-Informationen prüfen zudem weitere Unternehmen, ob sie sich künftig noch beteiligen. Damit drohe die Gesellschaft, an Schlagkraft zu verlieren, hieß es in dem Bericht. Ein "Aus" der Initiative gelte allerdings als unwahrscheinlich. Die Dii war am Sonntag für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Gegenüber dem "Handelsblatt" zeigte sich DII-Chef Paul van Son aber optimistisch. "Die Mehrzahl unserer verbleibenden 18 Gesellschafter hat uns jetzt schon gesagt, dass sie bleiben werden", sagte er der Zeitung.

Quelle: DPA