Desertec

Wüstenstrom-Projekt offenbar gescheitert

Das Wüstenstrom-Projekt Desertec soll nur noch in kleinerem Rahmen fortgeführt werden. Die Initiative war vor fünf Jahren gestartet, um in den nordafrikanischen Wüsten Solar- und Windenergie zu erzeugen. Vor Kurzem wurde sogar noch über ein endgültiges Aus für das Projekt gemunkelt.

Solarenergie© arsdigital / Fotolia.com

Rom/München (dpa/red) - Die Desertec-Industrie-Initiative (DII) teilte am Dienstag in Rom mit, man werde sich bei Desertec fortan auf Dienstleistungen für die Gesellschafter bei konkreten Projekten im Nahen Osten und in Nordafrika konzentrieren. Zu den Gesellschaftern der neuen DII gehören demnach der Stromerzeuger RWE, der saudi-arabische Energiekonzern Acwa Power und der chinesische Netzbetreiber SGCC. Damit wird aus dem ehrgeizigen Projekt eine kleine Beratungsfirma.

Die Münchner Rückversicherung, die die Desertec-Initiative vor fünf Jahren mit aus der Taufe gehoben hatte, und die anderen Gesellschafter stiegen auf der Dii-Jahresversammlung in Rom aus. "Unsere Verträge laufen alle aus Ende des Jahres", sagte Dii-Geschäftsführer Paul van Son am Dienstag.

Die neue Dii werde sich mit zehn Mitarbeitern auf Beratung und Dienstleistung für die drei verbliebenen Gesellschafter bei konkreten Projekten im Nahen Osten und in Nordafrika konzentrieren. Er selbst werde ab Januar für RWE in Dubai arbeiten.

Erneuerbarer Strom aus der Wüste

Die Desertec-Initiative war vor fünf Jahren mit dem Ziel gestartet, Sonnen- und Windenergie in den nordafrikanischen Wüsten zu erzeugen und ab dem Jahr 2050 rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs zu decken. Die neuen Kraftwerke und Hochspannungstrassen sollten 400 Milliarden Euro kosten. Aber die offene Finanzierung, die politischen Umbrüche und Bürgerkriege in der Region, der Ausbau der Wind- und Solarenergie in Deutschland und zuletzt der Absprung wichtiger Gesellschafter wie Siemens, Bosch, Eon oder Bilfinger ließen die Verwirklichung der Vision immer weiter in die Ferne rücken. Statt billigen Strom aus der Sahara nach Europa zu leiten, wird heute umgekehrt überschüssiger Strom aus der EU nach Nordafrika exportiert.

Nicht das Ende für die Wüstenstrom-Idee

Die Idee vom Wüstenstrom stehe trotzdem noch am Anfang - das Projekt sei nicht gescheitert, betonte Son. "Erneuerbare Energien haben beim Start von Dii vor fünf Jahren im Nahen Osten und in Nordafrika kaum eine Rolle gespielt. Das ist heute völlig anders."

In der Region entstehe ein Markt für regenerative Träger. Mehr als 25 Wind- und Solaranlagen seien schon mit einer Gesamtkapazität von drei Gigawatt in Betrieb. Die Dii habe mit Überzeugungsarbeit, Grundlagenstudien und Länderstrategien dabei geholfen.

Son sagte, die vormals rund 50 Gesellschafter und Partner seien zum Teil Konkurrenten gewesen. Es habe langwierige Diskussion und schwierige Entscheidungsprozesse gegeben. Einige hätten inzwischen das Interesse an der Region verloren, andere hätten - wie Siemens - die Solarenergie als Geschäftsfeld aufgegeben.

Quelle: DPA