Initiative angekündigt

Wüstenstrom aus Afrika: Reaktionen zu Desertec

15 deutsche Unternehmen wollen sich zu einem Konsortium zusammentun, um gemeinsam in Nordafrika Strom aus Sonne zu gewinnen. Die Energie würde in Solaranlagen in der Wüste produziert und über neue Hochspannungsnetze nach Europa transportiert. Die Reaktionen auf die Ankündigung zur Gründung einer entsprechenden Initiative sind überwiegend positiv.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (afp/red) - Innerhalb von drei Jahren soll ein konkreter Umsetzungsplan für den Bau solarthermischer Kraftwerke in der afrikanischen Wüste entwickelt werden. Die Anlagen unterscheiden sich allerdings von konventionellen Solarstromanlagen. Über Spiegel sollen die Kraftwerke Sonnenlicht bündeln, Spezialöl erhitzen und dessen Wärme in Wasserdampf zum Antrieb von Turbinen umwandeln. Klassische Photovoltaik-Anlagen produzieren im Gegensatz dazu den Strom direkt.

Die Osnabrücker Zeitung kommentiert: "Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass erneuerbare Energien die Zukunft sind, dann ist er damit erbracht." Denn niemand nehme "mal eben 400 Milliarden Euro in die Hand für den Bau von Solarkraftwerken, nur um in den Augen der Öko-Lobby gut dazustehen."

Umweltverbände und Gabriel begrüßen die Pläne

"Die Initiative der Unternehmen ist eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme dieser Zeit", kommentiert Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, das Vorhaben. Ein wichtiger Teil der deutschen Wirtschaft habe verstanden, "dass die Zeit reif ist für eine umfassende Nutzung der Erneuerbaren Energien und den Abschied von fossilen Energieträgern und der Atomkraft."

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Pläne der Konzerne. In Afrika und Ländern des Mittleren Ostens bergen die erneuerbaren Energien ein enormes Potenzial. "Die Errichtung solcher Kraftwerke in Verbindung mit einem Stromverbund im Mittelmeerraum liegt im europäischen Interesse", so der Minister.

Energieexperte Scheer warnt vor zu hohen Erwartungen

Hermann Scheer, Vorsitzender von Eurosolar, warnt jedoch von voreiligen übertriebenen Erwartungen an das Projekt. Seiner Meinung nach würden dabei die tatsächlichen Kosten sowie die Zeiträume zur Realisierung des Projektes unterschätzt. Noch bevor das Projekt zum Tragen komme, werde der weitere Ausbau der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien in Deutschland zu niedrigeren Kosten und Preisen möglich sein als der Solarstromimport aus Nordafrika.

dena sieht Stromimport aus Afrika kritisch

Auch der Vorsitzende der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur, Stephan Kohler, kritisierte das Vorhaben. Den Strom aus Afrika nach Deutschland zu transportieren halte er für nicht sinnvoll. "Wir müssen nicht teure Leitungen über drei oder viertausend Kilometer bauen, um ihn zum Beispiel nach Deutschland zu transportieren", sagte Kohler im Deutschland Radio Kultur. Dadurch entstehe die Gefahr einer Abhängigkeit. Sinnvoll sei das Projekt aber, wenn der Strom vor Ort gebraucht werde. Zudem könnte sich Deutschland - dank des weltweiten Handels mit CO2-Zertifikaten - die Investitionen in saubere Energie als Emissionsrechte gutschreiben lassen.

RWE und Siemens: Noch keine festen Pläne

Ein Sprecher des Essener Energieversorgers RWE bezeichnete die "Vision großer Solarthermie-Kraftwerke in der Sahara" als interessant. "Wir wollen sie weiter ausloten", sagte er und fügte hinzu: "Noch ist keine konkrete Investition geplant."

Eine Siemens-Sprecherin bestätigte ebenfalls, dass der Konzern zum Thema "Wüstenstrom für Europa" in Gesprächen mit der Münchener Rück und anderen Industrieunternehmen sei. "Desertec ist aus unserer Sicht ein visionäres und sehr spannendes Projekt", sagte sie. Die Deutsche Bank sprach ebenfalls von einem "sehr interessanten Thema". Allerdings wies der Sprecher darauf hin, dass es noch keinen Vertragsabschluss gebe.

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