Umsatzbringer

Womit Tankstellen noch Geld verdienen

Man könnte meinen, angesichts der hohen Spritpreise verdienten sich Tankstellenpächter eine goldene Nase. Doch rein statistisch ist dem beileibe nicht so - ganz abgesehen davon, dass die deutschen Tankstellen inzwischen sage und schreibe 85 Prozent ihres Umsatzes nicht mit Benzin machen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (dapd/red) - Für deutsche Tankstellen gewinnen zusätzliche Dienstleistungen neben dem Kraftstoffverkauf an Bedeutung. So wurden im Jahr 2010 im Durchschnitt 85,5 Prozent des Gesamtumsatzes einer gepachteten Tankstelle durch den Verkauf von Handelswaren in einem eigenen Shop erzielt, wie der Geschäftsführer der Ratingagentur Scope Credit Rating, Thomas Morgenstern, am Dienstag in Hamburg sagte. Vor allem freie Tankstellen hätten das Shop- und Dienstleistungsgeschäft ausgeweitet und sich dadurch zu einem "spezialisierten Einzelhändler mit Treibstoffzusatzgeschäft" entwickelt.

Laut einer Studie der Agentur wird sich dieser Trend voraussichtlich auch in Zukunft fortsetzen. Die Tankstellen würden vermehrt mit einem noch vielfältigeren Angebot wie Kaffee- und Backshops, Bistroecken sowie Lotto-Annahmestellen um Kunden werben, sagte Morgenstern.

Freie Tankstellen gestärkt

Im Konkurrenzkampf in der Branche konnten sich die mittelständischen Betriebe laut Studie gegen die großen Konzerne behaupten. Spitzenreiter bleibe zwar Aral mit 2.400 Standorten. Der allgemeine Trend gehe aber vom Großkonzern hin zum mittelständischen Betrieb, sagte Morgenstern.

Bis Juli 2012 werde sich die Zahl der Stationen von freien Tankstellen und Mittelstandsverbänden auf fast 1.800 erhöhen. Der geschätzte Marktanteil am Kraftstoffabsatz liege derzeit für den Mittelstand bei etwa neun Prozent. Die freien Tankstellen belegten damit Platz vier nach Aral, Shell und Jet.

Gewinnmarge im europäischen Vergleich gering

Trotz der Ausweitung der Zusatzgeschäfte hat sich die betriebswirtschaftliche Situation aller Tankstellen laut Studie aber verschlechtert. Die Umsatzrendite sank demnach innerhalb von gut zehn Jahren im Marktdurchschnitt von vier auf rund drei Prozent. Dies sei vor allem auf steigende Energiekosten und sinkende Margen im Kraftstoffverkauf zurückzuführen. Die Gewinnmarge für Euro-Superbenzin liege im bundesweiten Durchschnitt derzeit bei etwa 7,3 Cent pro Liter. Damit belegten deutsche Tankstellen den vorletzten Platz in Europa.

Scope Credit Rating führt seit 2004 jährlich eine Branchenstudie über die Entwicklung des Tankstellenmarkts im Auftrag des Bundesverbands Freier Tankstellen (bft) und des Bundesverbands mittelständischer Mineralölunternehmen durch. Für die aktuelle Studie wurden die betriebswirtschaftlichen Ergebnisse von mehr als 5.500 Tankstellen erfasst.