Alternativen

Woher kommt der Strom, wenn die Atomkraft wegfällt?

Von den 17 deutschen Atomkraftwerken gehen einige vorübergehend vom Netz. Ob diese nach der Überprüfung wieder angeschaltet werden, ist unklar, zumal der Strom aus den Kernkraftwerken anscheinend problemlos ersetzt werden kann. Aber wie sähe es aus, wenn komplett auf Atomstrom verzichtet würde?

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Linden (red) - Fällt die Stromproduktion der sieben alten Kraftwerke weg, ist das für die Stromversorgung kein Problem. Politiker und Umweltverbände sind übereinstimmend der Meinung, dass durch die Abschaltung keine Engpässe entstehen. Deutschland habe genug Kraftwerkskapazitäten, um den Wegfall zu verkraften. Insgesamt ist Deutschland sogar Netto-Exporteur von Strom.

Was wäre bei einem sofortigen Abschalten aller AKW?

Im Falle einer sofortigen Abschaltung aller Atomkraftwerke wäre man zunächst auf Importe angewiesen, wahrscheinlich auch auf Importe von Atomstrom. Auch Ökostrom wird importiert, beispielsweise hat Wasserkraft aus Norwegen ein großes Potenzial. Ebenso scheint ein Konsens darüber zu herrschen, dass bei einem Ausstieg aus der Atomkraft Kohle- und Gaskraftwerke zumindest kurzfristig wieder an Bedeutung zunehmen würden. Da die erneuerbaren Energien witterungsbedingten Schwankungen ausgesetzt sind, muss die sogenannte Grundlast abgedeckt sein. Kohle hat in Deutschland den größten Anteil an der Stromversorgung, noch vor der Atomkraft.

Wie lange würde der Ausstieg dauern?

Das Fraunhofer-Institut ist beispielsweise der Meinung, dass bis 2025 ein kompletter Atomausstieg möglich ist, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt schätzt, dass Deutschland innerhalb von zehn Jahren ohne Atomkraft auskommen könnte. Stephan Kohler, der Chef der deutschen Energieagentur, sprach Bild gegenüber ebenfalls von zehn bis zwölf Jahren.

Was ist für den Atomausstieg nötig?

Neben einem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien ist auch die Erweiterung des Stromnetzes nötig, um die Energie über weitere Strecken transportieren zu können. Moderne Kohle- und Gaskraftwerke würden den Ausstieg aus der Atomkraft unterstützen. Das Einsparen von Energie, der Ausbau effizienter Technologien wie der Kraft-Wärme-Kopplung und der dezentralen Stromerzeugung sowie die Entwicklung von Speichermöglichkeiten für Strom aus erneuerbaren Energien sind unverzichtbar auf dem Weg zur atomfreien Stromversorgung.