Pilotprojekt

Wissenschaftler erprobt unterirdische CO2-Speicherung (Upd.)

Im Rahmen des europäischen Forschungsprojekts CO2SINK wird seit Montag in Ketzin Kohlendioxid unter die Erde gepumpt. In den kommenden zwei Jahren sollten bis zu 60.000 Tonnen des Treibhausgases mehr als 600 Meter tief gespeichert werden, teilte das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam als federführender Projektpartner mit.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Ketzin (ddp-bln/sm) - Bei dem Vorhaben von insgesamt 18 Institutionen aus neun Ländern Europas werde erstmals untersucht, wie CO2 in tief gelegenen - mit Salzwasser gefüllten - porösen Gesteinsschichten eingebracht und gespeichert werden kann.

Für das Forschungsvorhaben wurden eine Injektions- und zwei Beobachtungsbohrungen bis in 800 Meter Tiefe mit modernster Sensorik ausgestattet und getestet. Die Sicherheit des Untergrundspeichers wurde nach Angaben des GFZ durch umfangreiche Gutachten belegt. Das Projekt wird vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) begleitet und überwacht. Präsident Klaus Freytag erteilte am Montag die offizielle Freigabe zur Injektion.

Mit der Ketziner Pilotanlage entstand nach Angaben von GFZ-Vorstand Reinhard Hüttl ein weltweit einzigartiges Großlabor, in dem das Verhalten von CO2 im Untergrund unter realistischen Bedingungen untersucht wird. Eine sichere Energieversorgung und Umweltaspekte dürften heute nicht mehr unabhängig voneinander betrachtet werden, betonte der Professor. Die Speicherung des Treibhausgases sei eine Option zum Zeitgewinn bei der Entwicklung und Einführung CO2-armer Energietechnologien. Neben der Verminderung von CO2-Emissionen durch Abtrennung und Speicherung des Gases müssten regenerative Energieressourcen erschlossen und Adaptionsstrategien entwickelt werden.

Für die Speicherung wird CO2 in Lebensmittelqualität verwendet, welches beispielsweise in Getränken wie Mineralwasser oder Bier eingesetzt wird. Die ausgesuchte Gesteinsformation eignet sich wegen seiner Geologie gut für das Vorhaben. Bereits in 400 Metern Tiefe über einem ehemaligen Erdgasspeicher gibt es eine undurchlässige Deckschicht. Der CO2-Testspeicher liegt fast doppelt so tief. Mehrere undurchlässige Schichten überdecken den Speicherhorizont. Dass die oberste Barriere dicht ist, wurde bereits beim Betrieb des ehemaligen Erdgasspeichers Ketzin bewiesen. Darunter befinden sich weitere undurchlässige Deckschichten. Damit existiert nach Auffassung der Wissenschaftler an diesem Standort ein "natürliches geologisches Multibarrierensystem".

Während des zweijährigen Experiments wird das Testareal von der Oberfläche bis in die Tiefe überwacht. Es werden Messsonden in die Bohrlöcher gefahren, um die Eigenschaften der Gesteine in den unterschiedlichen Tiefenlagen zu untersuchen. Zudem kommen geoelektrische und thermische Verfahren zum Einsatz.

Land setzt große Erwartungen in Projekt

Naturschützer kritisieren das Forschungsprojekt und verlangen einen Ausstieg aus der klimaschädlichen Braunkohleverstromung. Es sei ungeklärt, ob die kostenintensive Speicherung überhaupt funktioniere und betriebswirtschaftlich sinnvoll sei.

Das Land Brandenburg misst dem Projekt dagegen große Bedeutung bei. Es könnte bei der Verstromung der heimischen Braunkohle zum Einsatz kommen. In der Lausitz entwickelt der Energiekonzern Vattenfall derzeit eine Pilotanlage zur Abscheidung von CO2 bei der Braunkohleverstromung.

Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte, im "Innovationslabor Brandenburg" habe die entscheidende Phase des Forschungsprojekts zur Abscheidung und Einlagerung des klimaschädlichen Kohlendioxids begonnen. Es unterstreiche die märkische Vorreiterrolle bei der Erforschung und Entwicklung< von Technologien für die zukünftige Energieversorgung.