Bedrohung

Wirtschaft schlägt Alarm: Strom ist zu teuer

Die Stimmung wird schlechter: Die energieintensive Wirtschaft verbündet sich gegen ihre Kollegen aus den Energieversorgungsunternehmen. Die Verharmlosungstaktik des VDEW, der von Überschätzung der Stromkosten sprach, wurde u.a. von der Wirtschaftsvereinigung Stahl als "Zahlenkosmetik" bezeichnet.

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Osnabrück (ddp/sm) - Die Wirtschaft betrachtet die Strompreise in Deutschland immer mehr als Bedrohung ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Der Chef des Osnabrücker Kupferverarbeiters KM Europa Metal AG (KME), Albert Scherger, wies in der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstagausgabe) die Darstellung des VDEW zurück, wonach die Stromkosten in der Kupferindustrie nur 1,4 Prozent der Gesamtkosten ausmachen.

"Bei uns liegt der Anteil der Energiekosten bei zehn Prozent", sagte der KME-Chef. In den Jahren 2006 und 2007 kämen auf den KME-Konzern Verteuerungen von vier bis fünf Millionen Euro zu. Das entspreche den Kosten von 120 Arbeitsplätzen.

Auch die Wirtschaftsvereinigung Stahl hat der deutschen Energiebranche vorgeworfen, die Wirkungen der Strompreis-Anhebungen auf die energieintensiven Unternehmen zu verharmlosen. Allein in der Stahlindustrie führten die hohen Strompreise seit 2002 zu jährlichen Mehrkosten von 180 Millionen bis 200 Millionen Euro, erklärte Verbandspräsident Dieter Ameling am Dienstag in Düsseldorf. Die "Zahlenkosmetik des VDEW" führe bewusst in die Irre.

Der Chef des Stahlverbandes warf den Versorgern gleichzeitig kurzfristiges Denken vor. Die Energieunternehmen nutzten den fehlenden Wettbewerb und Argumente wie den Emissionshandel, um Gewinne zu maximieren. Dabei ignorierten sie aber die Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes und letztlich auch für ihren eigenen Absatz.

Der Eigentümer der Georgsmarienhütte Holding, Jürgen Großmann, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er bezweifle, dass die deutschen Energiepreise noch international wettbewerbsfähig seien. Das von vielen Kunden als zu hoch empfundene Preisniveau müsse auch die Energiekonzerne mit Sorge erfüllen. Diese seien auf industrielle Abnehmer angewiesen.

Der Verband Deutscher Papierfabriken (VDP) beklagte die "oligopolen Strukturen" der deutschen Energiewirtschaft. Verteuerungen würden etwa mit Kosten für Emissionszertifikate begründet, obwohl diese den Energieversorgern zu mehr als 90 Prozent kostenlos zugeteilt worden seien. Eine ähnlich lautende Kritik hatte vor einigen Tagen Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) an den Energiekonzern RWE gerichtet.

Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven, foderte die Die Bundesregierung auf, die vier großen Energieversorger wettbewerbspolitisch zur Ordnung zu rufen. Denn trotz der Ölpreiserhöhung auf dem Weltmarkt gebe es Spielraum für Strompreissenkungen. Das zeige sich nicht zuletzt an Sonderrabatten, die das Energieoligopol Großkunden gewährt.