Energie

Wirtschaft hält Energieversorgung vorerst für gesichert

Auch nach dem Atomausstieg kann die Energieversorgung nach Auffassung von baden-württembergischen Politikern und Wirtschaftsvertretern sichergestellt werden. Zweimal pro Jahr soll ein Lenkungskreis, bestehend aus Vertretern der Politik, der Wirtschaft, der Kommunen sowie Umwelt- und Verbraucherschutzverbänden zum Thema Energiepreisentwicklung tagen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Die Stromversorgung im Land ist nach Auffassung von baden-württembergischen Politikern und Wirtschaftsvertretern auch nach dem beschlossenen Atomausstieg sicher. "Nach Darlegung der Bundesnetzagentur ist die Versorgung auch in Extremsituationen sichergestellt", sagte Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Montag nach einem Energiegipfel in Stuttgart.

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sagte, dass die Versorgung aktuell gewährleistet sei. "Horrorszenarien" bei der Strompreisentwicklung seien nicht zu befürchten. Mit Preisanstiegen sei jedoch zu rechnen. Allerdings solle die Entwicklung der Preise und der Strommenge künftig regelmäßig überprüft und von einem Lenkungskreis begleitet werden.

In Kälteperioden stehen als Kaltreserve vorgehaltene Kraftwerke bereit

Laut Untersteller könnten bei windarmen Kälteperioden drei als sogenannte Kaltreserve vorgehaltene Kraftwerke etwa 1.000 Megawatt für Süddeutschland bereitstellen. Vorgehalten werde Energie aus den Steinkohlekraftwerken Mannheim und Ensdorf sowie aus dem Gas- und Dampfkraftwerk Wiesbaden. Weitere 1.000 Megawatt seien aus Österreich vertraglich zugesichert.

Angesichts der Preissteigerungen beim Strom verwies Untersteller darauf, dass laut einer Studie immer noch mehr als 43 Prozent der Haushalte bei ihrem Grundversorger sind. Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter biete die Möglichkeit, "sehr große Beträge zu sparen", so der Grünen-Politiker.

Lenkungskreis kann Einfluss auf Energiepreisentwicklung nehmen

Kretschmann sagte, die Energiepreisentwicklung sei eine wichtige Standortfrage und werde von der Landesregierung sehr ernst genommen. Die Beteiligten am Energiegespräch - Vertreter von Landesregierung, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kommunen und Landkreisen sowie Natur- und Verbraucherschutzverbänden - wollten künftig zweimal im Jahr zu einem Lenkungskreis zusammenkommen. Dort solle geschaut werden, "wie sich die Dinge entwickeln" und eventuell nachgesteuert werden.

Wirtschaft fürchtet keine Versorgungsengpässe

Zufrieden äußerten sich auch die Wirtschaftsvertreter. "Unsere Sorgen sind kurzfristig ausgeräumt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Landesverbands der Industrie, Hans Eberhard Koch. Mittel- und langfristig müssten allerdings Kapazitäten und Netze ausgebaut werden.

Auch der Präsident des baden-württembergischen Handwerkstages, Joachim Möhrle, sieht keine Probleme mehr bei der Versorgung. Bei der Entwicklung der Strompreise müsse man allerdings "ein Fragezeichen dahinter machen". Industrielle Großbetriebe würden durch die niedrigeren Netzentgelte bevorzugt. Dies gehe zulasten des Handwerks und anderer Bereiche, kritisierte er.

Der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf forderte mehr Anstrengungen in der Energieeffizienz. Material- und Energiekosten bildeten in den Betrieben des verarbeitenden Gewerbes einen viel größeren Kostenblock als die Personalkosten. Durch bessere Ressourcen- und Energieproduktivität könnte die deutsche Industrie jährlich zehn Milliarden Euro einsparen, schätzt der DGB.

Umweltverbände verweisen auf günstige Energie aus erneuerbaren Quellen

Die Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Brigitte Dahlbender, erwartet, dass die meisten Unternehmen mittelfristig vom Umstieg auf erneuerbare Energien profitieren werden. Im Gegensatz zu steigenden Preisen für die fossilen Energieträger werde die Energie aus erneuerbaren Quellen immer günstiger.

Der Vorsitzende des NABU-Landesverbandes, Andre Baumann, appellierte an die Unternehmen, die "immensen Chancen" zu sehen. "Baden-württembergische Unternehmen profitieren massiv davon, Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien zu entwickeln und herzustellen", sagte er.