Kampf mit Behörden

Windrad im eigenen Vorgarten bauen

Mit einem Windrad im eignen Vorgarten will sich ein Westerwälder unabhängig von steigenden Strompreisen machen. Seine geplante 14 Meter hohe Anlage würde etwa 6000 Euro kosten und rund 2000 Kilowattstunden Strom im Jahr produzieren. Derzeit sorgen jedoch die Behörden aber für Gegenwind.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Neunkhausen (ddp-rps/red) - Wenn es um Erneuerbare Energien geht, ist Heinrich Sonnenschein leidenschaftlich. Solarthermie und Photovoltaik hat der Westerwälder mit dem programmatisch anmutenden Nachnamen schon lange auf dem Dach seines Hauses im kleinen Ort Neunkhausen.

Doch nun will er einen Schritt weiter gehen: Er plant die Errichtung einer 14 Meter hohen Windkraftanlage - im Vorgarten seines Wohnhauses, um möglichst unabhängig von den Stromlieferanten werden und einen eigenen Beitrag zur CO2-Reduzierung zu liefern. Auch angesichts steigender Energiekosten bedeute die Produktion von Strom für ihn eine sinnvolle Alternative.

Anlage in ein paar Tagen aufgestellt

"Eigentlich könnte die Anlage schon im Betrieb sein", berichtet Sonnenschein. Ein Hersteller von Windkraftanlagen in einem Nachbarort habe ein Modell in der entsprechenden Größe und mit einem Rotordurchmesser von rund 3,5 Metern im Angebot. Das Aufstellen selbst ließe sich innerhalb von "ein paar Tagen" realisieren.

Doch zunächst sorgten Behörden für mächtigen Gegenwind. Bereits im Februar stellte er einen entsprechenden Genehmigungsantrag bei der Verbandsgemeinde Bad Marienberg. Doch diese erklärte sich als nicht zuständig und verwies Sonnenschein an die Verwaltung des Westerwaldkreises in Montabaur, da es sich um eine "übergeordnete Baumaßnahme" handele.

Genehmigung teurer als Windkraftanlage

Als Sonnenschein von dort den entsprechenden Packen an Antragsformularen bekam, zuckte er zusammen: Er sollte Papiere zusammentragen, die sonst bei der Genehmigung von Großwindanlagen erforderlich sind. "Immissionsnachweise sollte ich ebenso herbeibringen, wie eine Prognose zum Schattenwurf, der von der Anlage ausgehen könnte", sagt Sonnenschein. Alleine die zahlreichen Gutachten, die dafür erstellt werden müssen, hätten ein Vermögen verschlungen und die Kosten für die Anlage, die er mit 6000 Euro angibt, weit überstiegen.

Bei der Kreisverwaltung gab es schließlich ein Einsehen: Diese verwies die Genehmigung nun wieder als "untergeordnete Baumaßnahme" an die Verbandsgemeinde zurück. Von dort wurde die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD Nord) in Koblenz eingeschaltet, die jetzt klären soll, ob und wie eine Windkraftanlage auf einem Privatgrundstück genehmigt werden darf.

Symbol für Klimapolitik setzen

"Ich bin zuversichtlich, in den nächsten Wochen einen positiven Bescheid zu bekommen", sagt Sonnenschein. Die Nachbarn in dem schmucken Neubaugebiet seien fast ausnahmslos mit dem Bau einverstanden. Auf den Höhen des Westerwaldes gebe es zudem für den Betrieb einer solchen Anlage ideale Windbedingungen.

Rund 2000 Kilowattstunden Strom pro Jahr hofft Sonnenschein mit seiner Windkraftanlage erzeugen zu können. Das entspricht der Hälfte des durchschnittlichen Jahresverbrauchs einer vierköpfigen Familie. Das sei zwar "nur ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz, gemessen an dem Dreck, der von Großkraftwerken ausgeht", sagt Sonnenschein. Aber sein privates Windkraftwerk werde damit trotzdem zu einem kleinen Symbol für eine nachhaltigere Klimapolitik.