Offshore ist in

Windparks auf See sollen Atomkraft ersetzen

Bundesumweltminister Jürgen Trittin sieht in den Windparks vor Deutschlands Küsten ein enormes Wachstumspotenzial. Sie könnten bis 2030 drei Fünftel der Atomkraft ersetzen.

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Optimismus aus Berlin: Nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen) könnten bis zum Jahr 2030 bis zu drei Fünftel der heutigen Atomkraft durch Windenergie ersetzt werden. Bei der Vorstellung eines Positionspapiers gestern in Berlin, sah Trittin insbesondere bei den sogenannten Offshore-Anlagen ein großes Wachstumspotenzial. Offshore-Anlagen sind Windräder, die auf offener See vor der Küste stehen. Bis 2004 soll der erste deutsche Offshore-Windpark in der Nordsee errichtet werden, bisher stehen allerdings insbesondere Umweltschützer dieser Energieerzeugungsart kritisch gegenüber. Sie befürchten eine Zerstörung des Lebensraums für Meerestiere.

Bisher stehen zwei Flächen zur Disposition, bei denen das Bundesumweltministerium eine Gefahr für den Naturschutz ausschließen kann. Ein Windpark soll nordöstlich von Borkum, ein weiterer westlich von Sylt entstehen. Zwei weitere Flächen würden derzeit geprüft, bestätigte Trittin. Jedoch hätten die beiden benannten Flächen ausreichend Platz für die 4000 Windräder, die zur Gewinnung von 70 bis 85 Terawattstunden Strom benötigt würden. Die Atomstromproduktion liegt derzeit bei 170 Terawattstunden. Rechnet man auch noch den Strom dazu, der in Windanlagen an Land erzeugt wird und beachtet den jährlich erwarteten Zuwachs, könnte die Windkraft in Deutschland im Jahr 2030 95 bis 110 Terawattstunden Strom erzeugen. Das wären dann gut drei Fünftel des heutigen Atomstroms.

Trittin mahnte jedoch auch zur Bescheidenheit: Nach Planungen seines Ministerium sollen Investoren in einer Testphase 2003/2004 anfangs 40 Windräder mit einer Leistung von 500 Megawatt aufstellen. Die Investitionen bezifferte der Minister mit fünf Millionen Mark pro Windrad. Gründe dafür seien beispielsweise der große Abstand zur Küste. Allerdings gäbe es auf See eine weitaus konstantere Windleistung, so Trittin. Geht es nach ihm, würde dann bis 2010 etwa 3000 Megawattleistung installiert. Für die anvisierten 85 Terawattstunden Strom müssten bis 2030 dann 25 000 Megawatt Leistung eingerichtet werden.

Obwohl die Errichtung eines Offshore-Windparks einer Umweltverträglichkeitsprüfung und starken Auflagen unterliegt, erwartet Trittin Widerstand gegen die vorgeschlagenen Flächen vor Sylt und Borkum. Interessierte Investoren geben es aber bereits.