Zeitverzug

Windpark Bard Offshore 1 verzögert sich

Deutschlands erster kommerzieller Windpark in der Nordsee, Bard Offshore 1, hinkt dem Zeitplan hinterher. Es gebe erhebliche Bauverzögerungen und damit auch Verzögerungen bei der geplanten Stromeinspeisung ins Netz, sagte Bettina Morlok, Geschäftsführerin des künftigen Betreiberverbundes Südweststrom Windpark, am Dienstag in Emden.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Emden (dapd/red) - Bis Jahresende sollten 36 Windkraft Anlagen stehen. Es würden bis dahin aber voraussichtlich nur 20 fertig, sagte sie. Bislang wurden zwölf Anlagen errichtet, geplant sind 80 Windräder. Laut Morlok will die für Bau und Entwicklung verantwortliche Unternehmensgruppe Bard weitere Versorgungsschiffe ordern, um die Bauverzögerungen aufzuholen.

Als Grund für den Zeitverzug nannte sie "extrem schlechte Baubedingungen auf See" wegen des Wetters. Statt der ursprünglich bereits für den vergangenen Monat vorgesehenen erstmaligen Einspeisung ins Stromnetz sei jetzt erst frühestens Mitte November damit zu rechnen, sagte Morlok. Sie geht nun davon aus, dass der Windpark auf See im Frühjahr oder Sommer 2012 endgültig fertig wird. Ursprünglich war der Fertigstellungstermin für Mitte 2011 geplant.

"Wir sind startklar"

Südweststrom, zu deren 64 Gesellschaftern viele Stadtwerke aus allen Teilen Deutschlands gehören, bereitet der Zeitverzug nach eigenen Angaben aber noch keine Sorgen. "Es gab eine Reihe von Schrecksekunden, aber das ist bei dieser Pionierarbeit normal", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende von Südweststrom Windpark und Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne). Das Risiko bestehe jetzt nicht mehr darin, ob der Park gebaut werde, sondern nur noch, wann er betriebsbereit sei, sagte Palmer nach einem Hubschrauberflug über das Baugebiet auf hoher See. Er sei davon überzeugt, dass Bard das Projekt beherrsche. Zugleich untermauerte er den Einstieg des Stadtwerkeverbundes in Windkraft und die Produktion regenerativer Energien. "Auf der einen Seite verdienen wir Geld, auf der anderen Seite können wir günstigen und umweltfreundlichen Strom anbieten", sagte Palmer.

Baubeginn für Bard Offshore 1 war im April dieses Jahres. Der Park liegt rund 100 Kilometer nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum und wird in einer Wassertiefe von 40 Metern errichtet. Die Gesamtleistung nach Fertigstellung soll bei 400 Megawatt liegen. Damit könnten 400.000 Mehrpersonenhaushalte mit Strom versorgt werden. Die Kosten für den Park liegen bei rund 1,5 Milliarden Euro.

Die in Emden ansässige Unternehmensgruppe Bard baut den Windpark schlüsselfertig. Südweststrom hatte im Juli den Kauf des Parks beschlossen. Der Kaufvertrag ist derzeit aber noch nicht endgültig ausgehandelt. Letzte Details mit der Bank Unicredit als derzeitigem Besitzer seien noch zu klären. "Wir sind startklar. Von unserer Seite steht dem Erwerb nichts mehr im Wege", sagte Palmer.