Studie

Windkraft soll zwei Drittel des Strombedarfs decken können

Knapp zwei Drittel des deutschen Strombedarfs könnten durch Windenergie gedeckt werden, so eine neue Studie. Die Windkraft könnte sogar mehr Strom liefern als im vergangenen Jahr die Atomkraft beigesteuert hat. Und: Die am besten geeigneten Länder seien am schlechtesten versorgt.

Netzausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Hannover/Kassel (afp/red) - Wenn zwei Prozent der Fläche in der Bundesrepublik mit Windrädern bebaut würden, lieferten diese mit 390 Terawattstunden rund 65 Prozent des benötigten Stroms. Das teilte am Dienstag in Hannover der Bundesverband Windenergie (BWE) mit. Der Verband hatte beim Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik (IWES) in Kassel eine entsprechende Studie in Auftrag gegeben. Demnach könnten die Windräder sogar mehr Strom beisteuern, als es im vergangenen Jahr die Atomkraftwerke getan hatten. Sie lieferten den Angaben zufolge 2010 rund 23 Prozent des Stroms in Deutschland.

Rund acht Prozent der Fläche der Bundesrepublik könnte grundsätzlich für den Bau von Windkraft Anlagen genutzt werden, teilten die Wissenschaftler des IWES mit. Da ein Teil dieser Flächen jedoch aus verschiedenen Gründen wegfiele, etwa weil auf dem Gelände ein Bauernhof steht, weil dort seltene Tierarten vorkommen oder weil die Anlagen den Bundeswehrradar stören könnten, hätten sich die Forscher in ihren Berechnungen auf "realistische" zwei Prozent nutzbarer Fläche beschränkt.

Das Windenergie-Potenzial sei dabei ausgerechnet in den Bundesländern mit am höchsten, die derzeit mit entsprechenden Anlagen am schlechtesten versorgt sind. So habe das größte deutsche Flächenland Bayern den meisten Platz für Windräder. Nach Berechnungen des auf Windkraft spezialisierten Beratungsunternehmens DEWI liegt Bayern aber nur auf Rang elf bei der installierten Leistung. Baden-Württemberg hat laut Fraunhofer-Studie den drittmeisten Platz für Windkraftanlagen, rangiert in Sachen installierter Leistung aber nur auf dem zwölften Platz.

"Die Studie belegt, dass das große Potenzial der Windenergie an Land in Deutschland noch nicht ausgeschöpft ist", erklärte BWE-Präsident Hermann Albers. Vor allem die süddeutschen Bundesländer müssten den Ausbau "endlich vorantreiben".

Voran kommt derweil der Aufbau von Windkraft auf dem Meer. Am Sonntag gingen die erste von insgesamt 21 Anlangen eines Riesenwindparks vor der mecklenburgischen Küste in Betrieb. Die Windräder des Versorgers EnBW sollen Unternehmensangaben zufolge jährlich Strom für 50.000 Haushalte liefern. Am 2. Mai werde Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den rund sieben Quadratkilometer großen Windpark offiziell einweihen.