"Re-Powering" statt "Verspargelung"

Windkraft im Westerwald: Anlagen werden immer leistungsfähiger

Der Westerwald hat sich zu einem Zentrum für Windkraft entwickelt, dort befindet sich auch der größte Windpark in Rheinland-Pfalz. Dank der verbesserten der Leistungsfähigkeit der Windanlagen, so genanntes "Re-Powering", könne ein neues Windrad genauso viel Strom erzeugen wie fünf alte Anlagen.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Montabaur (ddp-rps/sm) - Bereits 1991 wurde im Westerwald das landesweit erste Windrad zur Stromerzeugung aufgestellt, nun gebe es insgesamt 92 Windkraftanlagen im Westerwaldkreis, 16 weitere sind bereits genehmigt, acht weitere in Planung. Nahe Waigandshain befindet sich die größte Windkraftanlage in Rheinland-Pfalz, dort produzieren zwölf Windmühlen jährlich 40 Millionen Kilowattstunden Energie. Bezogen auf die Lebensdauer der Anlage könnten mit der "sauberen" Energie der Windmühlen 630.000 Tonnen CO2 eingespart werden, erläutert Klaus Lammai, Sprecher des Koblenzer Stromversorgers KEVAG , die bereits 1999 in den Windenergie-Park investierte.

Jedoch werde der Platz für Winkraftanlagen in Deutschland "immer enger", schätzt der Sprecher des Windkraftanlagenhersteller Fuhrländer AG, Walter Lutz. Durch Raumordnungspläne würden strenge Auflagen gemacht und die potenziellen Standorte in Deutschland seien "in naher Zukunft" erschöpft. Zugleich würden aber die neuen Anlagen immer leistungsfähiger. Anstelle von fünf kleineren Rädern könne heute eine Windkraftanlage mit einer entsprechend höheren Leistung stehen. Dieses als "Re-Powering" bezeichnete Verfahren, wirke auch der von vielen Bürgern ungeliebten "Verspargelung" der Landschaft entgegen.

Akzeptanz in der Bevölkerung

Insgesamt sieht Lutz aber Vorbehalte innerhalb der Bevölkerung gegen die Windmühlen schwinden. In den letzten Jahren sei die Akzeptanz deutlich größer geworden. "Windenergie wird immer mehr zur Normalität", ist er überzeugt.

Dass Windkrafträder nicht unbedingt zur Verschönerung des Landschaftsbildes beitragen, räumt auch Markus Mann, der Geschäftsführer des Ökostromherstellers Naturstrom Rheinland-Pfalz GmbH ein. Jedoch brauche man sie, "um endlich vom Atomstrom unabhängig zu werden". Die Hersteller von Windkraftanlagen können sich Mann zufolge derzeit über prall gefüllte Auftragsbücher freuen und kommen wegen der großen Nachfrage aus dem Ausland kaum noch dazu, den heimischen Markt zu bedienen.

Auch die rheinland-pfälzische Landesregierung setzt auf Windenergie. Keine andere erneuerbare Energietechnologie habe ihre Leistungsfähigkeit so gesteigert wie die Windkraft, heißt es einer Regierungserklärung. Die Windenergie sei derzeit die kostengünstigste aller erneuerbaren Energien. Würden 60 Prozent aller bestehenden Anlagen durch "Re-Powering" aufgerüstet, könnten sie bis zu 30 Prozent des Jahresstromverbrauchs von Rheinland-Pfalz erzeugen.