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Windkraft-Atlas zeigt Potenzial für Standorte im Ländle

Baden-Württemberg verfügt über rund 2.800 geeignete Standorte für neue Windkraftanlagen. Das geht aus dem "Potenzialatlas Erneuerbare Energien" des Landesamtes für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) hervor, den Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) am Mittwoch in Stuttgart vorstellte.

Windkraft© DEVIce / Fotolia.com

Stuttgart (dapd/red) - Weitere 1.300 Standorte seien nur bedingt geeignet, weil sie beispielsweise in einem Landschaftsschutzgebiet liegen. Untersteller verwies darauf, dass die Zahl der Standorte aufgrund von Artenschutz und militärischer Belange bei einer konkreten Planung möglicherweise noch nach unten korrigiert werden müsse. Das zur Verfügung stehende Potenzial belege jedoch, dass Grün-Rot das Ziel erreichen könne, bis 2020 zehn Prozent des Stroms aus Windenergie zu erzeugen. Dazu müssen 1.100 neue Windkraftanlagen gebaut werden.

"Erhebliche Datenlücken" bei Ökostrom

Der Atlas des LUBW ist seit Mittwoch im Internet für jeden einsehbar. Neben möglichen Standorten für Windkraftanlagen zeigt er potenzielle Standorte für die Nutzung von Sonnenenergie und Wasserkraft auf. Bürger können sich darüber informieren, ob ihr Hausdach für Photovoltaik geeignet ist. Für die Wasserkraft weist der Atlas derzeit lediglich Informationen für das Einzugsgebiet des Neckars aus. Die Regionen rund um Rhein und Donau sollen bis Ende des kommenden Jahres eingefügt werden.

Nach Ansicht von Untersteller bietet der Atlas Behörden, Investoren und Bürgern eine anschauliche und nützliche Informationsgrundlage. "Er kann selbstverständlich nicht die unverzichtbare Planung vor Ort ersetzen und wir wollen mit dem Atlas in keiner Weise in die kommunale Planungshoheit eingreifen", betonte der Minister. Der Atlas sei auch deshalb nötig gewesen, weil es wegen der schwarz-gelben Vorgängerregierung "erhebliche Datenlücken" bei den erneuerbaren Energien gebe.

Lob und Kritik für den Atlas

Für den energiepolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Paul Nemeth, macht der Atlas in seiner jetzigen Form wenig Sinn: "Solange die ausstehenden Artenschutzkartierungen nicht vorliegen, geht der praktische Nutzwert gegen Null." Naturschutzminister Alexander Bonde (Grüne) müsse hier endlich liefern. Der energiepolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Andreas Glück, warf Untersteller vor, "Luftschlösser zu bauen, statt konkrete Lösungsansätze zu liefern". Im Jahr 2012 seien gerade einmal neun Windkraftanlagen gebaut worden.

Lob für den Atlas gab es hingegen vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Der Atlas zeige, dass die Ausbauziele des Landes ohne Abstriche beim Natur- und Artenschutz erreicht werden könnten, sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Die Kommunalverwaltungen müssten den Ausbau der Windenergie jetzt zügig und fachgerecht in Angriff nehmen.

Der Gemeindetag bezeichnete den Atlas, der unter potenzialatlas-bw.de zu erreichen ist, zwar als "wichtigen Schritt in Richtung Steuerung der Energiewende im Land". Präsident Roger Kehle kritisierte jedoch, dass viele Daten für eine konkrete Planung erst noch mühsam und kostenintensiv erhoben werden müssten.