Messe in Hamburg

Wind-Branche will Stromerzeugung bis 2014 vervierfachen

Windenergie wird nach Einschätzung von Branchenexperten angesichts derzeit explodierender Öl- und Gaspreise in den nächsten Jahren international wesentlich für eine Preisstabilisierung und einen ausgeglichenen Energiemix sorgen. Windkraft zähle heute bereits weltweit zu den "Mainstream-Energien".

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (ddp/sm) - Mit diesen Worten eröffnete der Präsident des Europäischen Windenergieverbandes (EWEA), Arthouros Zervos, heute die internationale Branchenleitmesse "WindEnergie 2006" in Hamburg.

Europa verfüge auf diesem Sektor derzeit über mehr als 40 000 Megawatt installierter Leistung und habe mit Wachstumsraten von bis zu 50 Prozent innerhalb weniger Jahre einen "Quantensprung" vollzogen. Bis 2030 rechnet Zervos damit, dass etwa 25 Prozent des Energiebedarfs in Europa durch Windkraft gedeckt wird. Derzeit liege der Anteil in der EU noch bei drei Prozent.

Weltweit sind nach Angaben des Vorsitzenden der Windenergiebranche im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau, Norbert Giese, gegenwärtig Kapazitäten für Windstrom mit einer Gesamtleistung von knapp 60 000 Megawatt am Netz. Diese Leistung werde sich bis 2010 auf 132 000 Megawatt mehr als verdoppeln und bis 2014 mit 210 000 Megawatt sogar fast vervierfachen, prognostizierte Giese.

Deutschland ist Giese zufolge vor allem als Zulieferer "breit aufgestellt". Die Exportquote liege bei bis zu 80 Prozent. Allerdings habe Deutschland als einstige Nummer eins verloren und sitze besonders bei Offshore-Anlagen "noch nicht auf dem fahrenden Zug". Hier brauche es vor allem veränderte Rahmenbedingungen, um bis 2010 endlich die ersten Großanlagen im Wasser stehen zu haben.

Der weltweite Sprung der Windenergiebranche hat Giese zufolge aber momentan auch negative Auswirkungen. Durch den Beschaffungsboom sei es in den vergangenen 15 Monaten zu empfindlichen Engpässen in der Materialwirtschaft sowie beim Ingenieurs- und Technikernachwuchs gekommen. Die Folge seien um etwa die Hälfte erhöhte Lieferzeiten für Anlagen sowie Kostensteigerungen in der Beschaffungskette bis in den zweistelligen Bereich.

Um für die Zukunft die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, braucht es nach Gieses Einschätzung vor allem in Deutschland Investitionen in die Netzstruktur. Neben dem Netzausbau und neuen Erzeugersystemen für einen jährlichen Zuwachs von bis zu zwei Megawatt Leistung seien außerdem neuen Speichermedien nötig. In einigen Regionen mit hohem Windenergieanfall, aber mangelnder Verbraucherstruktur könne die erzeugte Energie häufig gar nicht in vollem Maße genutzt werden.