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ProtestDie Stadt Wiesbaden wird gegen das in Mainz geplante Kohlekraftwerk vor dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz klagen. Wie Umweltdezernentin Rita Thies (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte, sei die Ablehnung der Widersprüche nicht nachvollziehbar.
Mainz/Wiesbaden (ddp/red) - Die zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion (SDG) Süd hatte am Mittwoch 32 gegen den Bau gerichtete Widersprüche abgewiesen, darunter den der Stadt Wiesbaden. Laut SGD sind die entsprechenden Bescheide den Widerspruchsführern zugegangen, ihnen steht nun der Gang zum rheinland-pfälzischen Oberverwaltungsgericht offen.
Die Begründung der SGD sei nicht nachvollziehbar und "in weiten Teilen mit Behauptungen gespickt, die nicht belegt werden", sagte Thies. Sie habe sofort ihre Fachverwaltung beauftragt, die Klageschrift vorzubereiten.
Die SGD Süd hatte den Kraftwerken Mainz-Wiesbaden (KMW) im Januar 2009 einen bauplanungs- und immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid und in Mai 2009 die erste Teilgenehmigung für das Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue erteilt. Mehrere Bürgerinitiativen und Privatpersonen und die Stadt Wiesbaden hatten dagegen Widerspruch eingelegt. Der Bau des Kraftwerkes ist nach wie vor wegen Finanzierungsschwierigkeiten auf unbestimmte Zeit eingefroren. Das Vorhaben hatte im vergangenen Jahr für großen Widerstand in der Bevölkerung von Mainz und Wiesbaden gesorgt.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie weitere Umweltgruppen und Bürgerinitiativen haben am Mittwoch ihre Kampagne gegen das geplante Trianel-Steinkohlekraftwerk im Chempark in Krefeld-Uerdingen gestartet.
Kurz vor der Landtagswahl zeigt sich eine breite Mehrheit der Menschen in Nordrhein-Westfalen skeptisch gegenüber neuen Kohlekraftwerken. Dies ist das zentrale Ergebnis einer repräsentativen Emnid-Umfrage, die vom Kampagnen-Netzwerk Campact in Auftrag gegeben wurde.
Nach der Entscheidung der Stadtwerke Düsseldorf, auf den Bau eines Steinkohlekraftwerks zu verzichten, sehen sich die Umweltschützer in ihrer Offensive gegen die als "Klimakiller" verschrienen Anlagen beflügelt. Die Landesregierung wies unterdessen die scharfe Kritik der Verbände an der Klimapolitik des Landes zurück.
Ab sofort gibt es ein neues Internetportal, das den Protest gegen neue Kohlekraftwerke bündelt. Dort gibt es neben Hintergrundinformationen und einer interaktiven Karte auch Infos, wenn man selbst aktiv werden möchte. Die "Klima-Allianz" weist darauf hin, dass die meisten Projekte aufgrund des öffentlichen Protests gekippt wurden.
In der Debatte um Klimaschutz und Energiesicherheit haben Energieexperten den Bau neuer Kohlekraftwerke in Deutschland heftig kritisiert. "Die Energiekonzerne bauen wild darauf los, solange sie noch bauen dürfen", sagte Olav Hohmeyer, Mitglied des Sachverständigenrates der Bundesregierung für Umweltfragen (SRU), dem ZDF-Magazin Frontal 21.