Doch Gas statt Kohle

Wiesbaden sucht erneut Gas-Partner für Kraftwerk

Im Streit um das geplante Kraftwerk auf der Ingelheimer Aue sucht das Wiesbadener Versorgungsunternehmen ESWE jetzt wieder einen Gaslieferanten. Dieser könnte eine Beteiligung an der KMW erwerben, um die Lieferungen langfristig günstig und sicher beziehen zu kommen.

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Wiesbaden/Mainz (ddp-hes/sm) - Auf einer erneuten Sondersitzung des Aufsichtsrats der Kraftwerke Mainz Wiesbaden (KMW) im Mai solle dann noch einmal darüber entschieden werden, unter welchen Bedingungen ein möglicher Gaslieferant bei der KMW einsteigen könne, sagte Wiesbadens Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) am Montag nach einer Sonderaufsichtsratssitzung der ESWE. Die KMW ist eine gemeinsame Tochter der Stadtwerke von Mainz und Wiesbaden.

Schon bei Planungsbeginn hätten die beiden Stadtwerke "mitnichten" auf Kohle gesetzt, sondern auf Gas, betonte der Oberbürgermeister. Noch vor einer Woche hatte Müller dagegen nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrats der KMW, dessen Vorsitzender er ist, die Pläne des Unternehmens für ein Kohlekraftwerk vehement verteidigt, da derzeit "im Markt kein Gas für ein Kraftwerk zur Verfügung" stehe. Zuvor hatte die Mainzer CDU gefordert, einen strategischen Partner für ein Gaskraftwerk ins Boot zu holen, und hatte auch angebliche Interessenten präsentiert.

Nun sagte Müller, ein möglicher künftiger Gasversorger solle eine Beteiligung an der KMW erwerben. Eine solche Minderheitsbeteiligung des Lieferanten sei notwendig, weil auf andere Weise Gas weder günstig noch langfristig sicher zu beziehen sei.

Zugleich gab der Wiesbadener Oberbürgermeister aber auch zu bedenken, dass das rund 1,2 Milliarden Euro teure neue Kohlekraftwerk auf der Ingelheimer Aue bereits bei einem Siemens-Konsortium bestellt ist. Je später dieser Vertrag gekündigt werde, desto teurer werde es für beide Städte, sagte Müller. Gleichwohl solle die Option Gas nun erneut geprüft.