Umstritten

Wie gefährlich sind Windkraftanlagen für Vögel?

Ein wichtiger Punkt, den Windpark-Kritiker immer wieder anführen, ist die Gefahr für die Vogelwelt. Unbestreitbar ist, dass tatsächlich Vögel und auch Fledermäuse in den Windrädern zu Tode kommen. Trotz einer Studie des Umweltministeriums, die keine Bestandsgefährdung sieht, ist man sich weiter uneinig.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (red) - Das Bundesumweltministerium finanzierte ein Forschungsvorhaben, das nun abgeschlossen ist. Es kommt zu dem Schluss, dass Vögel weniger durch Windparks gefährdet sind als bisher angenommen. Größe und Anzahl der Windräder seien keine erhebliche Gefahr, so ein Sprecher. Weitaus mehr Vögel würden gegen Gebäude oder Autos fliegen oder von Katzen gefressen. Die Zahlen zeigen eine relativ geringe Anzahl an Opfern durch die Windkraftanlagen.

Das Problem der Dunkelziffer

Naturschützer machen jedoch auf die Dunkelziffer aufmerksam. Eine realistische Schätzung der verunglückten Tiere vorzunehmen, sei problematisch. Bei vielen Opfern handelt es sich um Zufallsfunde, eine Meldung ist nicht Pflicht. So müssen die Zahlen hochgerechnet werden. Beim Brandenburgischen Landesamt gibt es eine "Zentrale Fundkartei" für Opfer der Windkraftanlagen. Dort nimmt man an, dass die reale Anzahl der getöteten Tiere deutlich höher ist als die der tatsächlich gefundenen.

Die Bedeutung des Standorts

Eines scheint jedoch festzustehen: Der Standort der Windräder ist von großer Bedeutung. So zeigte eine Studie des Bergenhusener Michael-Otto-Instituts im NABU vor einigen Jahren, dass dies ein wichtiger Faktor ist. 2007 bestätigte eine Meta-Studie im Auftrag des Landesamtes für Natur und Umwelt Schleswig-Holstein (LANU), dass die Anlagengröße eine weniger große Rolle spielt als der Standort. Bei Rastvögeln steigen die Störungsempfindlichkeit und die Unfallhäufigkeit mit der Größe der Anlage, aber noch wichtiger ist der Standort. In Wäldern oder an Gewässern sei die Gefahr am größten.

Auch der deutsche Naturschutzring kam in seiner Veröffentlichung "Windkraft im Visier" zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach müssten Vogelbrut- und Rastgebiete sowie Feuchtgebiete von Windkraftanlagen freigehalten werden.