Theaterstück

Wie eine AKW-Schicht acht Tage lang die Stellung hielt

Aufgrund tagelangen Schneetreiben im Februar 1979 standen viele Kohlekraftwerke in der DDR still. Das AKW bei Greifswald war teils für 20 Prozent der Stromversorgung des Landes zuständig. Was sich in diesen Tagen in den Schaltwarten abspielten, sollen nun auf die Theaterbühne kommen.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Greifswald (ddp-nrd/sm) - Der Frost brachte die Förderung in den Braunkohletagebauen zum Erliegen, wenig später standen die Turbinen vieler Kohlekraftwerke still. Das einzige industrielle Kernkraftwerk Ostdeutschlands in Lubmin bei Greifswald war zu dieser Zeit von der Außenwelt abgeschnitten, aber in Betrieb.

Acht Tage lang habe seinerzeit die Schicht C ausgeharrt, sagt Regisseur Tobias Rausch, der gegenwärtig mit Kollegen der Berliner Produktionsgesellschaft lunatiks die Ereignisse um Greifswald recherchiert. Weil die Ablösung auf dem Weg nach Lubmin im Schnee steckenblieb, sei die gesamte KKW-Dispatchermannschaft in den Schaltzentralen der drei Reaktorblöcke geblieben. Zum Schlaf auf Raten habe das Personal neben den Schaltpulten Liegen aufgestellt. Die Betriebskantine habe für Ganztagsverpflegung gesorgt, bis die Vorräte ausgingen und endlich ein Hubschrauber einen Sack Brot einflog.

Das Stück "Schicht C - Eine Stadt und die Energie" soll im Oktober vom Theater Vorpommern in Greifswald und Stralsund aufgeführt werden. Die Inszenierung werde sich an den Erzählungen von Zeitzeugen orientieren, es sollen nicht nur ehemalige Mitarbeiter der Schicht C befragt werden, die das KKW seinerzeit am Laufen hielten und somit zeitweise fast 20 Prozent des DDR-Strombedarfs sicherten. Auch Einsatzkräfte, die mit Schneefräsen den Zugbetrieb wieder in Gang zu setzen versuchten, Mitarbeiter der Betriebskantine und Greifswalder Bürger werden in den nächsten Wochen gebeten, ihre Erinnerungen mitzuteilen.

Die Theatermacher wollen ganz ohne Bewertung oder Ideologisierung die damaligen Ereignisse aus der Sicht der Zeitzeugen erzählen. So hätten befragte KKW-Leute über ihre Motive für den tagelangen Schichteinsatz berichtet. Nicht die offiziellen Aufrufe der Funktionäre hätten die Leute dazu beflügelt. Vielmehr habe man doch gewusst, dass die Angehörigen daheim in Greifswald ohne Fernwärme in kalten Wohnungen sitzen würden, wenn man versage.