Wiederaufbereitung

Wie der deutsche Atommüll nach La Hague kam

Mit dem für das Wochenende erwarteten Castor-Transport aus La Hague wird erneut deutscher Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage in die Bundesrepublik zurückgeholt. Nur, warum ist der strahlende Abfall aus deutschen Reaktoren eigentlich dort?

Netzausbau© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Seit den 70er Jahren setzten die deutsche Politik und die Energieversorger auf den sogenannten Kernbrennstoffkreislauf und damit auch auf die Wiederaufbereitung verbrauchter Brennelemente. Befürworter der Methode argumentierten, so lasse sich der kostbare Brennstoff zum Teil erneut nutzen und die Abfallmenge verringern. Dies griffen Bund und Länder im so genannten Entsorgungskonsens auf.

Am 28. September 1979 beschlossen sie unter Führung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) nicht nur die Errichtung von zwei atomaren Zwischenlagern im nordrhein-westfälischen Ahaus und im niedersächsischen Gorleben und die mögliche Einrichtung eines Endlagers in Gorleben. Sie stimmten auch grundsätzlich überein, die abgebrannten Brennelemente nicht direkt einzulagern.

Schlacht um Wackersdorf

Eine deutsche Wiederaufarbeitungsanlage war damals zumindest schon im Testbetrieb: Die sogenannte WAK in Karlsruhe hatte bereits 1971 die als Versuchsanlage die Arbeit aufgenommen. Und die Planungen für die Wiederaufarbeitung im industriellen Maßstab liefen auf Hochtouren. 1980 erklärte der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß die Bereitschaft des Freistaats, dort nach einem geeigneten Standort zu suchen. Nur wenig später fasste er dafür das oberpfälzische Wackersdorf ins Auge. 1985 erteilte die Staatsregierung die Genehmigung für die riesige Anlage, mit deren Bau 1987 auch tatsächlich begonnen wurde. Doch zwei Jahre danach wurde das Projekt endgültig aufgegeben.

Dazwischen lag eine bis dahin beispiellose Auseinandersetzung zwischen Atomgegnern und der Polizei, Massendemonstrationen und Boykottaufrufe gegen Siemens als Anteilseigner der französischen WAA-Betreiberfirma Cogema. Letztlich ließen Industrie und Politik das bayerische Atomprojekt angesichts des hartnäckigen Widerstands fallen, zumal inzwischen zwei Alternativen zur Verfügung standen: die bereits in den 60er Jahren eröffnete Wiederaufarbeitungsanlage in La Hague und eine seit 1994 im britischen Sellafield betriebene vergleichbare Atomfabrik.

Die deutschen Energieversorger schlossen langjährige Verträge mit beiden Anlagen und verschifften ihre Abfälle zur Aufarbeitung dorthin - mit der Maßgabe, die gleiche Menge strahlenden Mülls wieder zurückzunehmen.

Verbot der Wiederaufarbeitung

Atomkraftgegner zogen allerdings auch gegen diese Variante zu Felde, unter anderem, weil sie die Wiederaufarbeitung nur für ein "Schein-Recycling" ohne Verringerung der Abfallmenge und für gefährlich halten. Auch in der Umgebung von La Hague beklagten Umweltschützer radioaktive Strahlung, die sie der WAA zuschrieben. Außerdem kritisierten sie, dass der strahlende Müll in aus ihrer Sicht nicht sicheren Behältern mehrfach durch halb Europa verschifft werden muss.

Diesen Argumenten folgte der damalige Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne). Im Atomkonsens aus dem Jahr 2000 setzte er ein Ende der Wiederaufbereitung durch. Seit Mitte 2005 ist die Wiederaufbereitung deutschen Atommülls verboten. An den deutschen Atomkraftwerken wurden Zwischenlager errichtet.

Seitdem gibt es auch keine Atommülltransporte mehr nach La Hague oder Sellafield. Von dort muss das deutsche Strahlenmaterial jedoch zurückgeholt werden. Von La Hague soll dies kommendes Jahr abgeschlossen sein. Danach warten noch 21 Castor-Behälter in Sellafield auf ihren Rücktransport.