Alternative verlangt

Widerstand gegen Vattenfalls Starkstromleitung in Thüringen

Etwa 300 Menschen haben gestern vor dem Landtag in Erfurt gegen Pläne Vattenfalls zum Bau einer 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung durch den Thüringer Wald protestiert. Auch die Thüringer Landtagsopposition warnt vor den Folgen der geplanten Hochspannungsleitung.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Erfurt (ddp-lth/sm) - Auf Transparenten verlangten die Demonstranten in Erfurt eine alternative Lösung, etwa durch eine unterirdische Verlegung der Stromkabel. Die vom Energiekonzern Vattenfall geplante Trasse werde "massive Auswirkungen" auf die Region haben, sagte die SPD-Abgeordnete Sabine Doht am Freitag im Parlament in Erfurt. Es seien "Natura 2000"-Gebiete betroffen, unberührte Lebensräume würden zerschnitten. Der Energiekonzern will mit der 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung Energie aus Windkraftanlagen von der Küste in Richtung Süden leiten.

Doht gab zu bedenken, dass die Naturzerstörungen auch für den Tourismus nicht ohne Folgen bleiben würden. Diese Branche gebe in der Region 35.000 Menschen Arbeit. "Wir müssen aufpassen, dass die Stromtrasse nicht die Existenzgrundlage der Menschen zerstört", sagte Doht. Der Konzern müsse daher eine umweltverträgliche Alternativlösung finden. Zu verhindern sei die Trasse vermutlich nicht mehr.

Die Linke-Abgeordnete Petra Enders wies darauf hin, dass inzwischen 13 Bürgerinitiativen in Thüringen und Bayern gegen das Vattenfall-Projekt kämpfen. Der Widerstand sei ungebrochen, da mit der Trasse die Zerstörung unwiederbringlicher Naturräume drohe. "Wir brauchen die Leitung nicht", betonte Enders.

Bauminister Andreas Trautvetter (CDU) räumte ein, dass die geplante Hochspannungsleitung sechs FFH-Gebiete und ein Vogelschutzgebiet "Natura 2000" durchschneiden werde. Daher solle jetzt eine Studie klären, welche Auswirkungen auf die Natur drohten. Das Land habe zumindest schon erreicht, dass die Zahl der bislang fünf über den Thüringer Wald führenden Starkstromleitungen nicht erhöht werde. Im Falle des Baus der Vattenfall-Leitung wolle der Energiekonzern E.ON eine seiner Trassen kappen.