Welche Leistung wird bezahlt?

Wettbewerb auf dem Strommarkt: Nach den Wechselgebühren nun auch die Bilanzierungsentgelte auf dem Prüfstand

Neben den Netznutzungsentgelten monieren neue Stromanbieter zunehmend auch andere Preisbestandteile der Durchleitungsentgelte, etwa Regisitrierungsentgelte oder Risikozuschläge.

Stromzähler© Gina Sanders / Fotolia.com

Nachdem bereits vor Monaten die Wechselentgelte sowohl von Gerichten wie auch von den Kartellbehörden als wettbewerbswidrig bzw. als wettbewerbsrechtlich bedenklich eingestuft wurden, rücken nach und nach auch andere Preisbestandteile der Durchleitungsentgelte zunehmend in das Zentrum der Kritik.

Der Sache nach gerechtfertigt ist nach Auffassung vieler Händler die Ausweisung eines angemessenen Arbeits- und eines Leistungspreises. Betrachtet man jedoch die Preisblätter der mehr als 900 Verteilungsnetzbetreiberer erscheinen zusätzlich beispielsweise Registrierungsentgelte (z.B. bei den Stadtwerke München in Höhe von 960 DM) oder Risikozuschläge von 0,5 Pfennig pro Kilowattstunde für Kunden, die über das synthetische Lastprofilverfahren beliefert werden. Oftmals lässt sich auf entsprechenden Preisblättern auch ein Bilanzierungsentgelt finden, mit dem der Netznutzer aufgefordert wird, monatliche Pauschalen von bis zu 180 DM und zusätzlich noch fünf DM pro Monat und Zähler an den Netzbetreiber zu entrichten. Monika Noormann von der National Energy Services NES AG kommentiert: "Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, welche Dienstleistung des Netzbetreibers wir mit all diesen abenteuerlichen Entgelten vergüten. Zudem hegen wir große Zweifel, dass diese Entgelte auch unternehmensintern oder gegenüber assoziierten Unternehmen berechnet werden. Obwohl immer von uns verlangt, hat bisher noch kein Netzbetreiber entsprechenden Nachweis hinreichend geführt. Aus diesem Grunde werden seit Monaten die zuständigen Kartellbehörden regelmäßig durch uns informiert, mittlerweile sogar mit ersten nachhaltigen Erfolgen."

Als einen solchen Erfolg verbucht die National Energy zum Beispiel, dass bereits einzelne Netzbetreiber in Baden-Württemberg nach Einschaltung der Kartellbehörden auf die Erhebung eines Bilanzierungsentgeltes verzichten und die bereits gestellten Rechnungen stornieren. Kritisch bewertete Noormann hingegen, dass es einfach zu lange dauert, bis entsprechende Stellungnahmen auch allgemein gültig formuliert werden, denn so sei man als neuer Marktteilnehmer gezwungen, dass gleiche Prozedere für jeden einzelnen Netzbetreiber zu initiieren, und eben dieses kostet sowohl auf Seiten der Kartellämter als auch auf Seiten der Händler zu viel Zeit und Geld und wirke sich zudem äußerst negativ auf die Wettbewerbssituation aus. Die Lösung dieser als auch andere Probleme auf dem Strommarkt könnte nach Einschätzung von Monika Noormann nur eine Netzzugangsverordnung bringen.