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Wettbewerb auf dem Gasmarkt bleibt unbefriedigend

Gut drei Wochen nach dem Start des Entry-Exit-Modells auf dem deutschen Gasmarkt diskutierten rund 150 Vertreter der Gaswirtschaft auf der 12.Euroforum-Jahrestagung "Erdgas 2006" über ihre ersten Erfahrungen und die neuen Chancen des Wettbewerbs auf dem deutschen und europäischen Gasmarkt.

Stromtarife© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (red) - "Der Wettbewerb im Gasmarkt funktioniert in Europa noch nicht so, wie er sollte", stellte Robert Klotz (Europäische Kommission) zum Auftakt fest. Das kommende Jahr werde aber entscheidende Impulse für eine weitere Liberalisierung der europäischen Gasmärkte bringen. Er erinnerte an das europäische Richtlinienpaket 2003, das eine vollständige Marktöffnung für alle Gaskunden bis zum 1. Juli 2007, die Vorab-Regulierung des Netzzugangs und der Netzzugangsentgelte durch unabhängige Behörden sowie die rechtliche und organisatorische Entflechtung zwischen Transport, Produktion und Vertrieb vorsehe. Da sich für die Endkunden in Europa noch keine spürbaren Änderungen auf dem Gasmarkt ergeben hätten, fiele das Zwischenfazit zur praktischen Umsetzung der Liberalisierung negativ aus, betonte Klotz.

"Es mangelt immer noch an einer effektiven Marktöffnung auf dem europäischen Binnenmarkt", sagte er. Es fehlten alternative Anbieter, die vertikale Integration wirke weiter fort und die Wechselquote sei gering. Wegen der weiterhin niedrigen Wettbewerbsintensität habe die Europäische Kommission eine Sektorenuntersuchung eingeleitet, deren Abschlussbericht Klotz für spätestens Anfang Januar 2007 ankündigte.

Aus Sicht der Regulierungsbehörde beurteilte der Vizepräsident der Bundesnetzagentur Martin Cronenberg den Stand der Marktöffnung auf dem deutschen Gasmarkt. Er betonte die Bedeutung des diskriminierungsfreien Zugangs zu den Netzen und der Speicherung. "Von einem funktionierenden Wettbewerb kann noch nicht gesprochen werden", betonte Cronenberg. Er lobte aber die gute Zusammenarbeit mit den Kartellbehörden und die Absicht, während der deutschen EU-Präsidentschaft 2007 Energiethemen in den Vordergrund stellen zu wollen.

Zurückhaltend beurteilte Cronenberg die Koexistenz des Entry-Exit-Modells und des Einzelbuchungsmodells, das von VKU und BGW gefordert worden sei. Die Verbände hätten zwar zugesichert, aber noch nicht nachgewiesen, dass beide Vertragsmodelle wirkungsgleich und wettbewerbsgleich nebeneinander funktionieren könnten. Hier werde sich durch das von Nuon und bne eingeleitete Missbrauchsverfahren bis November entscheiden, wie die Bundesnetzagentur rechtlich dazu stehen werde.

"Wir setzen seit dem 1. Oktober nur noch das Basismodell der Bundesnetzagentur um", betonte dagegen der Vorstand der Technischen Werke Ludwigshafen AG, Dr. Gerhard Weissmüller. "Wir lehnen die weitere Umsetzung des City-Gate-Modells ab, da es wettbewerblich kontraproduktiv ist und große Risiken für die Verteilnetzbetreiber enthält."

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