Personalie

WestLB-Chef Fischer neuer RWE-Aufsichtsratsvorsitzender

Am Mittwoch wird WestLB-Chef Thomas Fischer (56) die Nachfolge des im Oktober verstorbenen Friedel Neuber als Vorsitzender des RWE-Aufsichtsrats antreten. Seine Berufung stößt indes nicht überall auf Begeisterung, Kritik kam insbesondere von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

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Essen/Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Deutschlands größter Energiekonzern RWE bekommt am Mittwoch einen neuen Aufsichtsratschef. Zu seinem Vorsitzenden will das oberste Kontrollgremium dann den Chef der Westdeutschen Landesbank (WestLB), Thomas Fischer, wählen. Der 56-jährige Top-Manager beerbt mit dieser Position den im Oktober im Alter von 69 Jahren verstorbenen früheren langjährigen WestLB-Chef Friedel Neuber.

Hinter der Berufung Fischers steht der Verband kommunaler Aktionäre (VkA) - der Städte und Gemeinden, die mit knapp 30 Prozent größter Anteilseigner des Essener Energieriesen sind. Auch Neuber, der die WestLB 20 Jahre lang geführt hatte, war seinerzeit mit Unterstützung des VkA zum RWE-Aufsichtsratschef gewählt worden.

Fischer steht erst seit Jahresanfang an der Spitze der WestLB, hat bei Deutschlands fünftgrößtem Kreditinstitut in dieser Zeit aber schon kräftig aufgeräumt. Das wegen riskanter internationaler Kreditgeschäfte und Beteiligungen ab 2002 in die tiefroten Zahlen gerutschte Bank kehrte unter Fischers Regie im ersten Halbjahr bereits wieder in die Gewinnzone zurück. Zugleich boxte Fischer das neue Geschäftsmodell der WestLB durch, das die Bank nach den gewagten finanziellen Eskapaden der Vergangenheit wieder zu einem starken Zentralinstitut der nordrhein-westfälischen Sparkassen und Partner des unternehmerischen Mittelstands machen will. Mit seinem straffen und erfolgreichen Sanierungskurs verschaffte sich der promovierte Ökonom Fischer über die Grenzen von NRW hinaus in kurzer Zeit viel Respekt und überzeugte auch die RWE-Eigentümer.

Doch seine Berufung zum Chefkontrolleur der RWE stößt nicht überall auf Begeisterung. Kritik kam im Vorfeld vor allem von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Dessen Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker bekannte offen, er hätte sich anstelle eines Bankers einen Industriemann wie den früheren Bayer-Chef Manfred Schneider, der ebenfalls im Gespräch war, an der Spitze gewünscht: "Schneider wäre für mich der Idealkandidat gewesen." Gleichwohl halte er Fischer für einen fähigen Manager.

Bevor Fischer den Chefposten bei der WestLB antrat, war er viele Jahre bei der Deutschen Bank in Frankfurt am Main, wo er zuletzt im Vorstand für das Ressort Risikomanagement verantwortlich zeichnete. Er verabschiedete sich vom größten deutschen Geldhaus, nachdem es mit Vorstandschef Josef Ackermann zu Unstimmigkeiten über das künftige Führungsmodell der Bank gekommen war.

Von ddp-Korrespondent Frank Bretschneider