Finanzierungslücke

Wer bezahlt den Tschernobyl-Sarkophag?

In Tschernobyl wird eine riesige Stahlkonstruktion gebaut, um die Atomruine und die von ihr ausgehende Strahlung dauerhaft von der Umwelt abzuschirmen. Doch Ende 2014 wird das dafür in einem Fonds gesammelte Geld aufgebraucht sein. Die Bundesregierung will die Finanzierungslücke nun zügig schließen.

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Berlin (dpa/red) - Die Bundesregierung will möglichst rasch eine 615 Millionen Euro große Finanzierungslücke für den Sarkophag des zerstörten Atomkraftwerks Tschernobyl schließen. Deutschland hat derzeit die G7-Präsidentschaft inne. "Es ist eine Frage der Glaubwürdigkeit der G7-Staaten, die Atomruine von Tschernobyl dauerhaft in einem Sarkophag von der Umwelt abzuschirmen", betonte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD).

Verteilung der Zusatzkosten klären

In dieser Woche hatte in Bonn die G7-Gruppe für Nuklearfragen getagt. Durch vertragliche Risikoverteilungen wurde als erster Schritt ausgeschlossen, dass zukünftig weitere millionenschwere Nachschüsse notwendig werden. Nun soll anhand eines Kriterienkatalogs die Verteilung der Zusatzkosten geklärt werden - die Entscheidung muss dann auf der politischen Ebene fallen. Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) werde sich substanziell an der Aufbringung des Fehlbetrages beteiligen, erklärte das Bundesumweltministerium.

Sarkophag ist erst zur Hälfte fertig

1997 hatten die sieben führenden westlichen Industriestaaten (G7) den Aufbau eines Fonds vereinbart, um einen Sarkophag für Reaktorblock 4 zu finanzieren. Da der bisherige Betonschutz brüchig ist, wird zum dauerhaften Schutz vor hoch radioaktiver Strahlung eine riesige neue Stahlkonstruktion gebaut, die erst zur Hälfte fertig ist. Sie soll 108 Meter hoch, 162 Meter lang und 257 Meter breit und von der Fläche her fast dreimal so groß wie der Petersdom werden. Die bisher zur Verfügung gestellten Mittel werden Ende 2014 aufgebraucht sein.

Quelle: DPA