Freizeit

Wenn der Drache in der Hochspannungsleitung "zwischenlandet"

Wenn's bald wieder stürmischer wird, steigen allerorten die Drachen - wie aber sollte man sich verhalten, wenn der Drachen abstürzt und in der Überland-Leitung hängen bleibt? - Die HEW gibt Flugtipps für Drachensteiger.

Netzausbau Ökostrom© Gina Sanders / Fotolia.com

Über den Wolken ist die Freiheit grenzenlos - darunter leider nicht. Und das gilt auch die Drachen, die viele Bundesbürger gerne in ihrer Freizeit steigen lassen. In einigen Wochen, wenn die Winde wieder stürmischer werden, werden Drachen allerorten zu sehen sein. Für die Mitarbeiter von Energieversorgungsunternehmen bedeutet das mitunter mehr Arbeit - dann nämlich, wenn ein Drache in der Hochspannungsleitung hängen bleibt.

In Spitzenzeiten bergen die Mitarbeiter der Hamburgischen Electricität-Werke AG knapp ein Dutzend abgestürzte "Himmelsstürmer" pro Wochenende, wie das Unternehmen mitteilte. Davon betroffen seien sowohl die Hochspannungs-Überlandleitungen, als auch die Schaltanlagen in der Nahe von Freizeitparks. Allein im Hauptabspannwerk Ost - gelegen in der Nahe des Ojendorfer Parks - seien an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden 18 Drachen ungewollt "zwischengelandet".

Damit der Flugspaß wahrend der Drachensaison ungetrübt und vor allem das eigene Leben unversehrt bleibt, gibt die HEW einige Hinweise zum richtigen Verhalten beim Drachensteigen und wie man sich verhalten sollte, wenn sich ein "Vogel" dennoch selbstständig gemacht hat. Denn wenn sich ein Drachen in der Elektrizitätsleitung verfangen hat, ist absolute Vorsicht geboten!

Der Abstand des Drachenstartplatzes zu Freileitungen oder Schaltanlagen muss mindestens 600 Meter betragen. Das entspricht einer Entfernung von sechs Fußballfeldern hintereinander. In die Luft gehen sollte ein Drachen nur bei Windstärken, bei denen der Pilot den Drachen noch bändigen kann. Dazu gehöre auch das richtige Material der Steigleine für die entsprechende Größe des Drachens und damit der Windangriffsflache.

Sollte ein Drachen dennoch in die Nahe oder in Berührung mit einer Freileitung kommen, besteht Verbrennungs-, oft sogar Lebensgefahr. Dies gilt insbesondere, wenn eine feuchte Drachenschnur, auch wenn sie aus Kevlar ist, mit der Freileitung in Kontakt gerät.

Hat sich der Drachen in der Leitung verfangen, ist es lebenswichtig, die Schnur nicht mehr anzufassen. Anschließend sollte die Störungsstelle des Energieversorgers informiert werden. Bei der HEW ist dies die Telefonnummer 040-63963111, täglich und rund um die Uhr erreichbar. Auf keinen Fall sollte versucht werden, den Drachen auf eigene Faust zu bergen. Dies müsse unbedingt den Fachleuten überlassen werden.

Das Luftverkehrsgesetz, das Drachen als "Luftfahrzeuge" definiert, schreibt vor, dass die Schnur eines Drachens nicht länger als 100 Meter sein darf, um tieffliegende Flugzeuge nicht zu gefährden. In der Nahe eines Verkehrs-Flughafens muss der Startplatz mindestens sechs Kilometer, bei Sportflughäfen drei Kilometer entfernt sein. Bei aufziehendem Gewitter sollte das Drachensteigen lassen gänzlich eingestellt werden.