Auseinandersetzungen

Wendland: Krawalle vor Castortransport

Bereits vor dem für Freitagabend erwarteten Start des Castor-Transportes von Frankreich in das Zwischenlager Gorleben ist es in der Nacht im Wendland zu ersten Ausschreitungen gekommen. Unterdessen erzielten die Castor-Gegner einen juristischen Teilerfolg vor dem Verwaltungsgericht Lüneburg.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Lüneburg (ddp-nrd/sm) - Bei den Auseinandersetzungen erlitten ein Polizist und mehrere Atomkraftgegner Verletzungen. Mehrere Polizeifahrzeuge wurden beschädigt und Gleise blockiert. Lüneburgs Polizeipräsident Friedrich Niehörster reagierte besorgt. Im Vergleich zu den Vorjahren seien die Aktionen deutlich aggressiver und gewalttätiger.

Castor-Gegner forderten die Polizeiführung dagegen auf, die Stimmung im Wendland nicht weiter aufzuheizen. Wenn jeder "noch so kleine Zwischenfall als Beweis der Gewalttätigkeit" der Atomkraft-Gegner an die große Glocke gehängt werde, verzerre dies die öffentliche Wahrnehmung des Protestgeschehens, sagte der Sprecher der Anti-Atomkraft-Initiative X-tausendmal quer, Jochen Stay. Gegner der Demonstranten sei nicht die Polizei, sondern die Bundesregierung und die vier großen Stromkonzerne.

Die schwersten Auseinandersetzungen gab es in der Nacht zum Freitag in der Nähe von Quickborn. Bei der Kontrolle eines Lkw zwischen Quickborn und Langendorf hatten Beamte auf der Ladefläche einen Betonklotz mit einer Vorrichtung zum Anketten entdeckt. Nach Polizeiangaben leisteten Fahrer und Beifahrer des Lkw erheblichen Widerstand und wurden dabei von mehreren Teilnehmern eines Laternenumzuges unterstützt.

Während der folgenden Auseinandersetzung soll ein Mann einem Beamten dessen Metallstab-Taschenlampe entrissen und damit auf den Beamten eingeschlagen haben. Der 28-Jährige musste mit schweren Gesichtsverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. Den Angaben zufolge wurden dabei drei Castor-Gegner verletzt. Zwei Polizeifahrzeuge wurden beschädigt. Drei mutmaßliche Täter wurden nach Identitätsfeststellung wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassen. Weiteren 21 Personen wurden Platzverweise erteilt.

In Neu Tramm sollen Unbekannte mehrere Polizeifahrzeuge mit Steinen beworfen haben. Bei Posade versperrte ein Traktor zwischenzeitlich die Bahnstrecke. Die Bundespolizei musste deshalb einen aus Richtung Dahlenburg nahenden Zug stoppen.

Inzwischen hob das Verwaltungsgericht Lüneburg ein von der Polizeidirektion erlassenes Verbot für eine von zwei am Sonntag geplanten Versammlungen nahe des Verladekrans in Dannenberg auf. Während eine Versammlung im Freien auf mitgebrachten Stühlen nun stattfinden darf, bleibt ein weiteres, eine Stunde nach Eintreffen des Zuges geplantes Treffen unmittelbar neben dem Verladekran verboten (Aktenzeichen 3 B 44/06).

Der zehnte Atommüll-Transport in das Zwischenlager Gorleben sollte nach Informationen der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg am Freitagabend am französischen Verladebahnhof in Valognes starten. Der Zug mit zwölf Castoren soll am Samstagnachmittag die deutsch-französische Grenze bei Lauterbourg überqueren. Am Sonntag wird der Zug mit Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague im Wendland erwartet.

Von André Klohn