Bizarres Plasmagefäß

"Wendelstein 7-X" nimmt Gestalt an

Das deutsche Kernfusionsforschungsprojekt "Wendelstein 7-X" in Greifswald nimmt allmählich Gestalt an. Nach fast einjähriger Montage haben Wissenschaftler und Ingenieure des Max-Planck-Teilinstituts in dieser Woche das komplizierte Plasmagefäß der weltweit einzigartigen Testanlage fertiggestellt.

Strompreise© Gina Sanders / Fotolia.com

Greifswald/München (ddp-nrd/sm) - Für die bizarr geformte, 35 Tonnen schwere Plasmakammer mussten 20 Sektoren aus mehreren hundert Einzelteilen zusammengefügt werden. Gefertigt wurde das Plasmagefäß von der MAN DWE GmbH im bayrischen Deggendorf. Das annähernd ringförmige Gefäß, das später ein bis zu 100 Millionen Grad heißes Plasma umschließen soll, hat einen Durchmesser von etwa zwölf Metern.

Für die Montage hatten die Experten mehr als 800 Einzelteile mit über 1600 Meter langen Schweißnähten vakuumdicht zusammengefügt. Anschließend wurden mit einem scharfen Wasserstrahl 299 Öffnungen in das Gefäß geschnitten, durch die später das Plasma beobachtet, geheizt oder gekühlt werden kann. Mit dem millimetergenauen Bau der asymmetrischen Form sei man an die Grenzen der derzeitigen Handwerkstechnik gestoßen, sagte Projektingenieur Bernd Hein.

Bis zum ersten Experiment sind nach Institutsangaben noch etwa fünf Jahre Anlagenbau erforderlich. Für das derzeit größte öffentlich geförderte Forschungsvorhaben in Deutschland werden insgesamt etwa 300 Millionen Euro investiert. Es gilt als eine Laborvorstufe des internationalen Fusionsforschungskraftwerks ITER, das für 4,6 Milliarden Euro im südfranzösischen Cardarache gebaut werden soll.

Ziel der Fusionsforschung ist es, ähnlich wie die Sonne aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen. Um das Fusionsfeuer zu zünden, muss der Brennstoff, ein Wasserstoffplasma, in Magnetfeldern eingeschlossen und auf Temperaturen über 100 Millionen Grad aufgeheizt werden. Mit "Wendelstein 7-X" soll voraussichtlich ab 2011 die Kraftwerkseignung des so genannten Stellarator-Typs untersucht werden.

Von Ralph Sommer