Platzeck sehr erfreut

Weltweit erstes Hybridkraftwerk entsteht in Brandenburg

"Hier entsteht weltweit einzigartige Spitzentechnologie", sagte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) am Freitag nach einem Besuch bei dem uckermärkischen Windkraft- und Energieunternehmen Enertrag, welches das weltweit erste Hybridkraftwerk bauen will.

Stromnetz Ausbau© Gina Sanders / Fotolia.com

Prenzlau (ddp-lbg/sm) - Hinter den Mauern des alten Gutshauses in Dauerthal an der Autobahnabfahrt Prenzlau Ost sind die Pläne für einen völlig neuen Kraftwerkstyp bereits fertig. Vom Jahresende an soll in der strukturschwachen Region das weltweit erste Hybridkraftwerk gebaut werden. "Was hier entsteht, kann eine ganze Branche revolutionieren", frohlockte Platzeck.

Brandenburg werde immer mehr zum Innovationslabor für klimaschonende Technologien in Deutschland, lobt der Ministerpräsident weiter. Das Beispiel Enertrag zeige darüber hinaus, dass auch Firmen in Randregionen des Landes international wettbewerbsfähige Spitzentechnologien zur Verfügung stellen.

Der Enertrag-Vorstandsvorsitzende Jörg Müller betonte: "Noch stecken wir in der Genehmigungsphase." Er gehe jedoch davon aus, dass zum Jahresende der symbolische Spatenstich möglich sei. Etwa 20 Millionen Euro werde das neuartige Kraftwerk kosten. Es werde auf der Basis von Windkraft und Biomasse arbeiten.

Kraftwerk basiert auf zwei Energieträgern

Das Prinzip sei einfach, erläutert Müller dem Regierungschef. Windenergie und Biogasanlagen geben den erforderlichen Input. "Wir setzen auf zwei Energieträger, weil der Wind ja bekanntermaßen nicht immer weht", sagt Müller. Im Output erzeuge das Kraftwerk zunächst Strom. In Spitzenzeiten, wenn bei viel Wind überschüssiger Strom produziert werde, stelle das Unternehmen über ein Elektrolyse-Verfahren zusätzlich Wasserstoff her. Dieser wiederum könne in windschwachen Zeiten wieder in Strom zurückverwandelt und ins Netz eingespeist werden.

Denkbar sei aber auch die Bereitstellung von Wasserstoff als Treibstoff für Automobile. Das sei zwar derzeit zwar noch kein Thema, für die Zukunft sei es aber interessant, fügte der Vorstandschef hinzu. Automobilhersteller wie Daimler hätten bereits angekündigt, nach dem Jahr 2015 mit der Massenproduktion von wasserstoffgetriebenen Autos zu beginnen.

Die Uckermark wurde von Enertrag als Standort für das neuartige Kraftwerk ausgesucht, "weil hier alle Bedingungen stimmen". Es gebe ausreichend Wind und entsprechende Windkraftanlagen. Zudem liefere die Landwirtschaft Biomasse. "Und wir haben hier bereits ein eigenes Stromnetz installiert, das für den Betrieb und die Steuerung eines solchen Kraftwerkes unverzichtbar ist", ergänzt Müller. Die Nennleistung des neuen Kraftwerkes wird seinen Angaben zufolge bei etwa 1000 Megawatt liegen. Das entspreche in etwa der Leistung eines durchschnittlichen Kernkraftwerkes.